Die landwirtschaftlichen Besitzverhältnisse bis zum 18. Jahrhundert
Die Landwirtschaft prägte das Bild der Ortschaft Westerode und das Leben in der Dorfgemeinschaft über Jahrhunderte hinweg.
Schon im Mittelalter waren die Westeröder Ländereien wie in vielen anderen Orten überwiegend im Besitz von Lehenträgern. Als solcher verkaufte Franz von Minnigerode im Jahre 1538 seinen dreieinhalb Hufen(= 105 Morgen) großen Besitz für 1550 Taler und einen braunen „Klepper“ als Ratsgut an den Magistrat der Stadt Duderstadt. Dieses Gut wurde 1723 in Erbpacht abgegeben und die Ländereien gegen Zahlung von Erbenzinsen vergeben.
Weitere, größere Grundbesitzer laut einer Aufstellung aus dem Jahre 1773 waren die Familien von Mützefall (195 Morgen), von Bültingslöwen und von Westernhagen sowie das Stift Quedlinburg und das Kloster Teistungenburg.
Die Feldflur erstreckte sich 1783 auf insgesamt 38 Hufen oder 1140 Morgen. Zu dieser Zeit gab es sieben pferdehaltende Bauern, die 28 Pferde besaßen und bei denen 42 Hintersassen beheimatet waren.
Die Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert Noch im Jahre 1820 waren nur etwa 43% der Ländereien im Besitz der Einwohner von Westerode. 63 Grundbesitzer im Ort bearbeiteten eine durchschnittliche Grundbesitzfläche von 7 Morgen. Mit jeweils mehr als 80 Morgen gehörten der Landwirt Joachim Vollmer, die Rosenthaler Erben und die Pfarrei Westerode zu den größten Grundbesitzern. 14 dieser 63 Grundbesitzer waren in diesem Jahre nicht in der Lage, eine Unterschrift zu leisten. Ihre Aufstellung über ihren Besitz besorgte der Bauermeister. Sie quittierten diese mit drei Kreuzen.
Der Kulturpflanzenanbau im 19. Jahrhundert entsprach im Wesentlichen den Anbauverhältnissen des Amtes Duderstadt, zu dem 17 umliegende Dörfer gehörten.
Als Getreide wurde in dieser Zeit vorwiegend Roggen (28,6 % der Gesamtanbaufläche) und Hafer (23 %) angebaut, während die Kartoffel nur einen Anteil von 7,4 % hatte.
In Westerode kamen 1843 auf 100 Hektar Anbaufläche laut Statistik 19,3 Pferde, 34,5 Hornvieh, 58,2 Schweine und 110,2 Schafe. Die Anzahl der Pferde, ein Zeichen von bäuerlicher Größe und Wohlstand, lag bis zum II. Weltkrieg über dem Kreisdurchschnitt.
Die Bedeutung der Landwirtschaft in Westerode im 19.Jahrhundert wird auch durch den hohen Anteil der in der Landwirtschaft beschäftigten Einwohner eindrucksvoll verdeutlicht. So waren 1843 54,6 % der Einwohner in der Landwirtschaft tätig.
Die Besitzverhältnisse der landwirtschaftlichen Betriebe in Westerode verbesserten sich im Jahre 1901 durch die erste Verkopplung, d.h. weit auseinander liegende, parzellierte Ländereien wurden gegen zusammenhängende Flurstücke ausgetauscht. Der Zwergbesitz (0-0,5 ha) verringerte sich zugunsten des Parzellenbetriebes erheblich. Der Anteil der mittelbäuerlichen Betriebe an der Gesamtanbaufläche der Gemeinde verstärkte sich, und Westerode lag mit diesem Anteil weit über dem Kreisdurchschnitt des Kreisgebietes Duderstadt.
Schon zu dieser Zeit bewirtschafteten 25 % aller Betriebe mehr als drei Viertel der Gesamtanbaufläche. Die verbleibenden Kleinst- und Kleinbetriebe wurden von vielen Familien lediglich als Nebenerwerbsmöglichkeit genutzt. Diese Familien konnten ihr Land oft nicht selber pflügen und bestellen und hatten dafür einen sogenannten „Ackersmann“, der ihnen diese Arbeiten erledigte. Die Gegenleistung hierfür erbrachten meistens die Frauen durch die noch arbeitsintensiven Feldarbeiten und Ernteeinsätze bei den Bauern.
Nach einer Aufstellung für die Landwirtschaft des Kreises Duderstadt von 1924/25 wurde die Gemarkungsfläche von Westerode zu etwa 82% als Ackerfläche, zu 6% als Wald und zu 12% als Weiden- und Wiesenfläche genutzt. Bemerkenswert ist dabei der hohe Anteil der Ackerfläche, der erheblich über dem Kreisdurchschnitt lag. Die Bodengüteklasse dieser Ackerflächen bewegte zwischen 70,1 und 75 Punkten, wobei 1 die schlechteste und 100 die beste Bodengüteklasse ausweist. Die Anbaupflanzenverhältnisse in Westerode hatten sich in dieser Zeit auch aufgrund der Bodengüte gemessen am Kreisgebiet verändert. Der Weizen nahm nun mit 26,5% Anteil an der Gesamtanbaufläche den 1.Platz ein. Die anspruchsloseren Kartoffeln lagen dagegen mit 13,5% unter dem Kreisdurchschnitt.
Der Anteil an Hornvieh, das in Westerode im Gegensatz zu manchen anderen Dörfern des südöstlichen Untereichsfeldes vorwiegend als Mastvieh Verwendung fand, lag 1925 wie die Anzahl der Pferde über dem Kreisdurchschnitt. Die Stückzahlen in der Schweinezucht hatten sich gegenüber 1843 zwar fast verdoppelt, aber sowohl im 19.Jahrhundert als auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts rangierte Westerode hierbei unterhalb des Durchschnitts, was auf kleinere Familien aber auch auf andere, bessere Nahrungsmöglichkeiten schließen lässt. Die Anzahl der Schafe ging im Vergleich zu 1843 auf ein Drittel zurück.
Erwähnenswert aus dem Jahre 1925 ist weiterhin, dass von den 15 in Westerode vorhandenen Betrieben mit mehr als 5 Hektar Anbaufläche immerhin schon 9 mit einem motorischen Antrieb, zum Beispiel mit Häckselmaschinen, arbeiten konnten. Die Bewirtschaftung der Äcker musste noch mit Pferden oder Ochsen verrichtet werden. Sie dienten als Zugtiere und waren bei der Aussaat und Ernte unersetzlich. Um zum Beispiel einen Morgen Land zu bestellen, benötigte der Bauer mit zwei Pferden einen Arbeitstag. Auch das Korn wurde mit der Sense gemäht, aufgestellt und eingefahren, um es dann im Winter mit der Dreschmaschine, die von Hof zu Hof fuhr, auszudreschen.
1938 konnte in der Feldarbeit erstmals ein „Lanz-Bulldog-Traktor“ eingesetzt werden. Mit dem Einsatz dieses Schleppers wurde es möglich, das Vierfache an Ackerfläche an einem Tag zu bearbeiten.
Der II. Weltkrieg und seine Folgen hatten für die Landwirtschaft in Westerode erhebliche Auswirkungen. Durch den Aufbau einer Industriezone in Duderstadt, die teilweise in der Gemarkung Westerode errichtet wurde, verlor die Gemeinde fast ein Drittel ihrer Ackerfläche. Die Gesamtfläche verringerte sich bis zum Jahre 1947 um 82 Hektar (= 16%) auf 430 Hektar. Auch das Anbauverhältnis bei den Pflanzen änderte sich in der Nachkriegszeit erheblich. Auffällig an einem Vergleich zwischen den Jahren 1936 und 1947 ist der Rückgang der Getreideproduktion, die bis auf den Hafer erfolgte. Einen starken Anstieg konnte der Rübenanbau und die Produktion von Futterpflanzen, die ebenso wie der Hafer und Rüben zur Aufzucht von Tieren und damit vornehmlich der Nahrungsmittelproduktion dienten, verzeichnen. Der Anteil der in der Landwirtschaft beschäftigten Einwohner in Westerode nahm wie in anderen Gemeinden ständig ab. 1946 waren es aufgrund einer Volkszählung noch 14,9% in Westerode.
Da der Anteil der Weideflächen , die überwiegend zwischen der Nathe und der Hahle liegen, auf über 17 % (ca. 80 ha) der Gemarkungsfläche anstieg, konnte auch eine Intensivierung der Milchwirtschaft erfolgen. 1950 hielten die Westeröder Landwirte 145 Milchkühe und das dazugehörige Jungvieh. Die Leistung einer Milchkuh lag bei 6000 Litern mit 200 kg Fett und damit fast immer weit über dem Kreisdurchschnitt. Die im Ort ansässige Genossenschaftsmolkerei spornte die Betriebe an, ihre Milchviehhaltung auszudehnen. Alle Landwirte waren dem Zuchtverband und der freiwilligen Milchkontrolle angeschlossen. Wertvolle Zuchtlinien hatten ihren Ursprung in Westerode. Über eine Bullenstation verfügten die Bauern Wilhelm Nolte und Wilhelm Habichhorst. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe hatte sich auf 13 Voll- und einen Nebenerwerbsbetrieb reduziert. Die durchschnittliche Betriebsgröße betrug zu dieser Zeit 20 Hektar.
Durch die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft im Jahre 1963 standen die deutschen Landwirte in einem stärkeren Wettbewerb. Um existenzfähig zu bleiben, mussten sich die landwirtschaftlichen Betriebe ausdehnen und ihre Produktion steigern. Als Folge dieser Entwicklung wurde schon in den Jahren 1970 und 1971 eine Flurbereinigung durchgeführt und damit der landwirtschaftliche Streubesitz, der sich nach der ersten Verkopplung und zusätzlicher Realteilung ergeben hatte, aufgehoben. Im Rahmen der Flurbereinigung gelang es 14 Kilometer Feldwege neu- bzw. auszubauen. Damit war die Voraussetzung geschaffen, dass moderne, größere Maschinen eingesetzt werden konnten. Den Vorsitz der Teilnehmergemeinschaft hatte der Landwirt Richard Hölscher übernommen, der diese Flurbereinigung mit großem Verhandlungsgeschick durchführte und dieses Amt über 20 Jahre ausfüllte.
Ein großer Einschnitt in der Milchwirtschaft ergab sich 1984 durch die staatlich festgesetzte Quotierung der Milchmenge. Viele Betriebe mussten einen Teil ihrer Milchkühe abschaffen, um die festgesetzten Liefermengen nicht zu überschreiten. Hinzu kam, dass die Spitzenleistung einer Milchkuh auf 12.000 Liter mit 420 kg Fett angewachsen war. Aus diesen Gründen waren einige Betriebe gezwungen, ihre Milchviehhaltung aufzugeben oder teilweise auf Schweinezucht und -mast umzustellen. Sechs milchviehhaltende Betriebe verblieben im Ort. Auch die Fusion der Westeröder Molkereigenossenschaft mit dem Milchhof Göttingen hatte nicht nur zur Folge, dass die ortsansässige Molkerei 1989 ihren Betrieb einstellte, sondern auch, dass die Abholung der frisch ermolkenen Milch nur noch jeden zweiten Tag durchgeführt wird.
Nach der Grenzöffnung konnten einige von den nunmehr 9 bestehenden Vollerwerbsbetrieben in Westerode zusätzliche Ackerflächen im benachbarten Bundesland Thüringen zur Bewirtschaftung übernehmen. Die eigentliche Gemarkung der Ortschaft Westerode hat eine Ausdehnung von ungefähr 5,12 qkm und nimmt damit einen Mittelplatz in der Größe der Orte des ehemaligen Kreises Duderstadt ein. Die Gemarkungsfläche von Westerode besteht überwiegend aus Ackerland sowie 80 ha Grünland, 7 ha Wasserläufe und 33 ha Wald.
Problematisch für die Landwirte an der Westeröder Straße ist zur Zeit das tägliche Verkehrsaufkommen von ca. 14.000 Fahrzeugen, aber auch die geplante Trassenführung und damit der Bau einer dringend notwendigen Umgehungsstraße wird für die Landwirtschaft in Westerode zu einer erheblichen Reduzierung guter Ackerfläche führen. Trotzdem wird die Landwirtschaft den Ort Westerode weiterhin mitprägen.

Der Tabakanbau

Besondere Erwähnung für den Ort Westerode verdient der Tabakanbau, der bereits um das Jahr 1660 in Duderstadt eingeführt worden ist und seitdem im Eichsfeld betrieben wird. Um die Jahrhundertwende bis nach dem II. Weltkrieg war das Eichsfeld eines der größten deutschen Tabakanbaugebiete. Neben dem Eichsfeld wurde Tabak in der Pfalz, in der Gegend um Eschwege und Herford und am Niederrhein angebaut.
Wegen seiner Arbeitsintensität, die nur in geringem Maße tierischen Arbeitseinsatz gestattete, fand der Tabakanbau nur in Gegenden mit genügend menschlichen Arbeitskräften, die auch in Westerode ausreichend vorhanden waren, Verbreitung. Nahezu an jedem Haus, an Staketenzäunen, unter Dachkästen hingen, an Bindfäden aufgehängt, Tabakpflanzen zum Trocknen. Voraussetzung für das Gedeihen einer Tabakpflanze sind fruchtbare Lehm- und Lösböden.
Trotz der schon erwähnten intensiven Arbeit am Tabak, brachte er viel Geld in den Ort und besserte so den kargen Lebensunterhalt auf. Die Tabakbauern ernteten bei guter Ernte je Morgen (25 ar) ca. 20 - 24 Zentner Tabak.
Es wurden 1914 für einen Zentner Tabak im Schnitt 18 RM gezahlt. (ein Ei kostete damals 5 Pfennig). Die Tabakhändler zahlten den Tabakbauern für ihre mühsame Arbeit einen sogenannten "Armenlohn".
Um den Tabak selbst an die Firmen verkaufen zu können, schlossen sich die Westeröder Anbauer 1919/1920, auf Initiative von Apotheker Alfons Wucherpfennig, zu einer "Tabakverwertungsgenossenschaft Untereichsfeld G.m.b.H., Sitz Westerode" zusammen.
Die Preise waren nun gewerkschaftlich festgesetzt. In ganz kurzer Zeit schlossen sich alle Gemeinden des Untereichsfeldes, in denen Tabak angebaut wurde, dieser Genossenschaft an. Sie erhielt den Namen: "Genossenschaft Eichsfeldischer Tabakvereine, Westerode". Nach dem plötzlichen Tod von Alfons Wucherpfennig übernahm der Gewerkschaftssekretär Diedrich, späterer Landrat des Kreises Duderstadt, die Leitung und den Vorstand der Genossenschaft
In Westerode und in den meisten Dörfern des Eichsfeldes wurde der rundblättrige Bauerntabak, mit seinen dunkel fett und fast schwarzblauen Blättern, angebaut. Gegenüber dem spitzblättrigen Virginia Tabak war der Bauerntabak im Ertrag reicher, aber im Preis niedriger.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde der spitzblättrige Tabak allgemein eingeführt und in Westerode von ca. 100 Pflanzern angebaut.
Im Jahre 1949 seien nach Aussage vom damaligen Bürgermeister Josef Borchardt ca. 165.000 DM in den Ort Westerode gekommen. 1952 erzielte man für die beste Sorte 450 DM je Zentner.
Der Anbau wurde kontingentiert. Die Trocknung und die Aufbewahrung des Tabaks wurden zunehmend einfacher. In der Gemeinde standen in kurzer Zeit ca. 15 Öfen, in denen in vier Tagen der Tabak getrocknet wurde. Jeder Ofenbau kostete ca. 1200 bis 1400 DM. Der Tabaksamen wurde im Frühjahr (März) im Garten auf Beete gesät, im Mai waren die Pflanzen dann ca. 10 cm groß. Sie wurden auf dem gut vorbereiteten Acker ausgepflanzt. Diese Arbeit wurde vornehmlich von Frauen ausgeführt. So wurden die Pflanzen in ca. 25 cm voneinander entfernt stehenden Reihen, dazwischen lagen ca. 55 cm Arbeitsraum, mit dem Pflanzstock "Planteplock" gesetzt. Vier bis fünf Frauen, Verwandte, Nachbarn und Freunde halfen sich gegenseitig, pflanzten an einem Tage etwa einen Morgen Tabak.
Etwa vier Wochen nach dem Auspflanzen musste das Feld, auf dem der Tabak wuchs, gehackt werden. Damit die später große Tabakpflanze fest im Boden steht, wurden sie angehäuft. Die Tabakpflanzen verlangten viel Pflege. So wurden die wilden Triebe aus den Blattachseln herausgebrochen und die Spitzen der Pflanzen, die Blüten, wurden abgebrochen. Das Ausbrechen der Blüten nannte man "Giezen". Samen wurde nicht gewonnen, die Pflanze sollte große Blätter bekommen.
Im Juli wurden untersten Blätter der Pflanzen gelb oder braun. Diese Blätter nannte man „Sandblätter“. Diese wurden von Frauen in gebückter Stellung entfernt. Gerade die Sommermonate Juli und August entschieden über eine gute oder schlechte Ernte. Hagelschauer konnten die Tabakblätter minderwertig oder gar wertlos machen.
Die Tabakernte stand Mitte bis Ende August an. Dabei wurden die Blätter der einzelnen Stauden von oben nach unten von Frauen abgestreift. Die Blätter wurden zwischen den Knien zu Bunden gehalten, gebunden und später an den Häusern angeschnürt. Blatt für Blatt wurde auf eine lange Nadel mit einem ca. 1 m langen Bindfaden aufgefädelt. Diese aufgereihte Form von Blättern nannte sich "Schnoor". An den Anschnürabenden ging es meist lustig zu. Es wurde viel gesungen, erzählt und gelacht. Bis in die späte Nacht wurde gearbeitet.
Am anderen Morgen wurden die auf der Tenne gelagerten Schnüre überall dort aufgehängt wo Wind und Sonne an die Blätter kamen. Eine Woche später wurden die Schnoors umgehängt.
Wenn der Tabak trocken war und eine gelbe Farbe bekommen hatte, wurden die Schnoors abgenommen auf einen Pflock an den Dachlatten unter den Dächern gehängt. Hier trocknete der Tabak nach und blieb bis zum Verwiegen im März des nächsten Jahres hängen.
Etwa 14 Tage vor dem Verwiegen wurden die Pucken vom Dachboden geholt, die Schnüre gelöst und sorgfältig, meistens auf den Boden der Scheunen, ausgelegt. Die Blätter wurden benetzt, dieses sollte ein Brechen verhindern. Nach 8 bis 10 Tagen Liegezeit wurden die Schnüre dann aufgenommen und die Blätter am Faden zusammengestreift. Dieses Bündel nannte man nun "Docke". Die einzelnen "Docken" wurden nun zu einem Stapel zusammengelegt. Die Blätter zeigten immer nach innen, die Dockenstiele (Rippen) nach außen. So konnten die Blätter beim Transport nicht beschädigt werden. Wenn der Stapel "Pack“ eine Höhe von 60 cm hatte, wog er etwa einen Zentner. Er wurde mit Bindfäden fest verschnürt. Alle "Packen" wurden am Verwiegetage auf einen Leiterwagen geladen und zur Stadt zur Waage transportiert.
Die nachfolgende Tabelle gibt Aufschluss über die Intensität des Tabakanbaues in Westerode und vergleicht diese mit dem übrigen Gebiet des ehemaligen Kreises Duderstadt.

Der Tabakanbau in Zahlen

Jahr Anzahl der Pflanzer
in Westerode
Anbaufläche in Morgen % -Anteil an der
Gesamtanbaufläche
Vergleich- Krs. Duderstadt
1843 79 66 5,2  
1851   69 5,2 4,1
1855   46 3,1 2,9
1883   34 2  
1890   34 2 1,5
1900   31 1,8  
1909   15 0,9 0,7
1920 82 31,5 2,6 1,4
1925 79 15,4 1,3 0,9
1926 63 22,6 1,5 0,9
1934 100 38 3,2 1,4
1936 99 39,6 3,3 1,3
1950   56 4,7  


Eine Pilzkrankheit trat 1954/55 auf und machte den weiteren Tabakanbau im Eichsfeld zunichte.

Der Gemüseanbau

Neben dem Tabakanbau verfügte Westerode nach dem 2. Weltkrieg auch über Gärtnereibetriebe. Inhaber eines solchen Betriebes war die Familie Ewald Friedrich. Auch der Gärtnereibetrieb Peter Ronski ist seit den 70ziger Jahren in Westerode vorhanden.
Anfang der 60ziger Jahre begann der LandwirtschaftsmeisterEwaldDiedrich unter schwierigen Bedingungen die kleine Landwirtschaft auf dem Hof in der Westeröder Nr. 18 auf den Gemüseanbau umzustellen.
Zunächst wurden Möhren, Kopfsalat und Porree angebaut. Nachdem der Absatz gesichert war, konnte der Anbau immer weiter ausgedehnt und das Angebot auf 15 verschiedene Gemüsearten erweitert werden. Investitionen für eine Pflanzmaschine, eine Regneranlage und verschiedene weitere Geräte erhöhten die Produktion. Vermarktet wurde das Gemüse an den Fruchthandel der Firma Seeger in Northeim. Die Anlieferung ab 0.00 Uhr erfolgte bis zum Kauf eines gebrauchten Lkw im Jahre 1966 noch mit einem Schlepper.
Im Zuge der Flurbereinigung 1970 wurde auf Anraten der Landwirtschaftskammer Duderstadt eine Aussiedlung des gesamten Betriebes beantragt. Nach einer Bauzeit von 1 ½ Jahren konnte der neue Betrieb hinter dem Kleinbahndamm im Christus-König-Weg mit einer ersten Gewächshausfläche von 800m2 , einer Wirtschaftshalle und einem Wohnhaus bezogen werden. Wenn auch in diesen Jahren Jungpflanzen unter Niederglas angezogen wurden, konnte die Anzucht jedoch durch den Einsatz einer Topfmaschine verbessert werden.
Der Gemüseanbau wurde immer weiter ausgedehnt. Auf einer 25 Hektar großen Freilandfläche wachsen nun etwa 20 verschiedene Gemüsearten. Die Gewächshausfläche wurde auf ca. 6000m2 erweitert. Hier wachsen im Frühjahr Beet- und Balkonpflanzen, in den Sommermonaten Schlangen- und Einlegegurken, Paprika und Tomaten heran. In den Wintermonaten werden u. a. Primeln, Stiefmütterchen, Bellis, Narzissen, Hyzazinten angebaut. Verschiedene Gemüsearten werden über den Winter im Kühlhaus und in der Wirtschaftshalle eingelagert.
Am 7./8. August 1988 feierte die Familie Diedrich das 25jährige Betriebsjubiläum. Hierzu wurde eine riesige Tombola organisiert. Neben dem Bierausschank wurden Kaffee und Kuchen, Salate aus eigener Ernte und gebratenes vom Grill und Spieß für ca. 15000 Menschen, die an diesen Tagen den Betrieb besichtigten, bereitgehalten. Behilflich bei der Durchführung dieser Großveranstaltung waren die Mitglieder des Karnevalclubs und der freiwilligen Feuerwehr Westerode.
Einen Reingewinn von diesem Fest in Höhe von 20.500 DM übergab Ewald Diedrich der Lebenshilfe Duderstadt und der Tagesstätte St.Raphael. In den mehr als 30 zurückliegenden Jahren hat der von der Landwirtschaftskammer Hannover anerkannte Ausbildungsbetrieb 23 junge Leute ausgebildet und zum großen Teil auch übernommen. Das Unternehmen bietet fast 30 Arbeitsplätze und ist auch über die Grenzen der Einheitsgemeinde Duderstadt hinaus bekannt. Die weitere, wirtschaftliche Entwicklung des Ortes

Die Eisenbahnlinie in Westerode

Für den Bau der Eisenbahnlinie Wulften - Duderstadt - Leinefelde in den Jahren1886-1889 mussten 81 Grundstücksbesitzer aus Westerode insgesamt 31978 qm Fläche für den Eisenbahnbau abtreten. Als Entschädigung zahlte man ihnen 8338,61 Mark. Auf der gesamten Strecke Wulften - Duderstadt, die etwa 19,6 km lang ist, mussten 1533 Parzellen aufgekauft werden.
Nach der landespolizeilichen Abnahme, d.h. Revision der Strecke am 26.10.1889, wobei besonders die Brücken einer eingehenden Belastungsprobe unterzogen wurden, wurde die Bahnstrecke in Anwesenheit des Regierungspräsidenten von Hildesheim und des Präsidenten der Eisenbahndirektion Hannover am01.11.1889 ihrer Bestimmung übergeben. Mit dieser Eisenbahnstrecke fiel eine Schranke für die Handels- und Verkehrsverhältnisse des Eichsfeldes.
Unter Hüteschwenken und Hurrarufen setzte sich bereits am 31. Oktober 1889 der erste Personenzug von Duderstadt nach Northeim in Bewegung. Diese spektakuläre Ereignis geschah um 10.38 Uhr vormittags. Neben zahlreichen Ehrengästen, welche ihre Billetts natürlich aus der eigenen Börse bezahlten, hatte auch das Festkomitee, an ihrer Spitze Landrat von Oven und Bürgermeister Frericks, in einem der girlandengeschmückten Wagen Platz genommen. In Northeim stiegen der königlich- preußische Eisenbahndirektionspräsident aus Hannover und der Hildesheimer Regierungspräsident in den Zug, der sich nun wieder in Richtung Duderstadt in Bewegung setzte. Die Fahrt von Wulften nach Duderstadt war für Tausende, die nie eine Lokomotive gesehen hatten, ein unvergessliches Erlebnis. Auf dem Bahnhof in Westerode staunten sehr viele Menschen. Die Vereine mit ihren Fahnen und Musikkapellen drängten sich auf dem Bahnsteig, und die Wogen der Begeisterung brandeten um die beiden Präsidenten und den Landrat, die, den Zylinder schwenkend auf dem Westeröder Bahnhof aus dem Zug kletterten, um die Huldigung des Bürgermeisters entgegenzunehmen.
Die Duderstädter hatten am 1. November 1889 zwar einen schönen, massiv gebauten Bahnhof, aber leider keine Bahnhofsstraße. Die musste erst noch geschaffen werden. Die "Steintörschen", im Rat der Stadt durch einen stimmgewaltigen und einflussreichen Mann vertreten, wollten partout den Weg durch die Wolfsgärten über die Schindangerbrücke durch das Steintor als Bahnhofsstraße haben. Endlich siegte die Einsicht.
Aber erst als in dem nassen Winter 1889/90 zahlreiche Wagen, welche die Güter beim Bahnhof abholten, im Schlamm der Wolfsgärten steckenblieben. Da die Straße nach Westerode damals bereits chaussiert war, ließen die Duderstädter Kaufleute ihre Stückgüter deshalb vom Bahnhof Westerode abholen. Sehr zum Gaudium der schadenfrohen Westeröder, die den Anreischken diesen Reinfall von Herzen gönnten. Leider entschloss man sich im Rat dazu, die Stadtmauer in Höhe der Sparkasse und einige Häuser abzubrechen, um die Bahnhofsstraße in ihrer jetzigen Linienführung legen zu können.
In der Anfangszeit fuhren täglich sechs Züge in beiden Richtungen, zwei davon verkehrten bis Northeim. Die Verbindung nach Süden, d.h. nach Worbis und Leinefelde wurde durch die Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Duderstadt - Leinefelde (18,5 km) am 01.09.1897hergestellt.
Die Fahrzeit für die Fahrt von Duderstadt nach Wulften betrug im Jahr 1890 61 Minuten, wofür in der 2.Klasse ein Preis von 1,30 Mark, in der 3.Klasse 0,90 Mark und in der 4.Klasse 0,50 Mark zu entrichten war.
Die Grenzziehung nach dem II. Weltkrieg und die rückläufige Auslastung der Bahnstrecke sowohl im Güter- als auch im Personenverkehr veranlassten die verantwortlichen Stellen, den Personenverkehr auf der Strecke Wulften - Duderstadt am 25.05.1974 einzustellen.
1983 wurde der ehemalige Bahnhof in Westerode von der Bundesbahn verkauft, und seitdem wurde auf dieser Strecke allein noch ein geringer Frachtverkehr aufrechterhalten, besonders zum Transport landwirtschaftlicher Produkte sowie von Holz und Kunststoff.

Die ehemalige Kleinbahn

Am 11.06.1907 wurde die Kleinbahnstrecke Rittmarshausen - Duderstadt nach der landespolizeilichen Abnahme durch die Kommissare der Bezirksregierung Hildesheim und der Eisenbahndirektion Kassel ihrer Bestimmung übergeben.
Die 16 Kilometer lange Strecke wurde von der Firma Lenz aus Berlin nach zweijähriger Bauzeit fertig gestellt. Durch diese Bahnstrecke wurde das westliche Kreisgebiet erschlossen und eine Schienenverbindung mit der Nachbarstadt Göttingen geschaffen. Westerode erhielt damit nicht nur einen zweiten Schienenstrang, sondern auch einen zweiten, kleinen Bahnhof am südwestlichen Ortsrand.
Eine Hin- und Rückfahrt mit dieser „Gartetalbahn“ von Duderstadt nach Göttingen kostete 1,75 Mark. Eine Fahrt mit der 750mm breiten Schmalspurbahn dauerte 158 Minuten.
Im Jahr 1934 wurde diese Bahnlinie, die in Westerode über eine hierfür erbaute Brücke führte, eingestellt und der Schienenstrang abgebaut.

Das Postwesen

Bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es in den meisten Dörfern des Eichsfeldes noch keine festen Poststationen. Briefe wurden von Botengängern zu Fuß oder mit dem Pferd nach Duderstadt weitergeleitet. Postsachen für Westerode erhielt der jeweilige Botengänger vom Posthalter und später im Generalpostamt Duderstadt zur Verteilung im Ort ausgehändigt.
Die postalische Versorgung von Westerode verbesserte sich mit der Einrichtung einer Posthilfsstelle im Jahre1886. Diese Posthilfsstelle befand sich im Hause des damaligen BauermeistersFranz Vollmer, der schon 7 Jahre später, am 1. Februar 1893, aufgrund des vermehrten Briefaufkommens die Leitung einer Postagentur in Westerode übernahm.
Zu dieser Postagentur gehörte ein Landzustellbezirk, der die Orte Werxhausen, Desingerode und Esplingerode versorgte.
1907 erfolgte dann die Einrichtung einer täglichen Botenpost von Westerode nach Seulingen und 1926 sogar die Einrichtung der täglich zweimaligen Botenpost von Westerode nach Nesselröden.
Am 1. November1926 übernahm Bürgermeister Karl Vollmer die Postagentur von seinem Vater und führte sie bis zu seinem Tode im Jahre 1948.
Mit der Einrichtung einer Landkraftpostlinie am 16. September 1931 musste schon weit vor dem II. Weltkrieg die tägliche Botenpost von Westerode aus aufgehoben werden. Auf dieser Landkraftpostlinie wurde u.a. seit dem 1. April 1950 der Personenkraftwagenführer Rudolf Vollmer aus Westerode eingesetzt.
Die Postagentur mit Zustellung in Westerode wurde von der Witwe Emma Vollmer noch bis zu ihrem Ruhestand im Juni1955 auf dem landwirtschaftlichen Hof an der damaligen Hauptstraße weitergeführt.
Seit dem 1. Juli1955befindet sich die Poststelle in unmittelbarer Nähe der alten Postagentur, im Hause der Familie Jung in der Westeröder Straße 41. Posthalter wurde der spätere Ortsheimatpfleger Wilhelm Jung,und die Zustellung führte 2 Jahrzehnte lang Alfons Napp aus, der im II.Weltkrieg einen Arm verloren hatte.
Nach der Zurruhesetzung des Posthalters im Jahre1982 führte der Postbetriebsassistent Engelbert Feldmann aus Mingerode die Poststelle, die nur noch mit ca. 20 Wochenarbeitsstunden bemessen war, im Rahmen seines Dienstes beim Postamt Duderstadt weiter. Die Zustellung in Westerode hatte inzwischen Anna Jung übernommen, und sie führte diese Aufgabe auch nach der Zentralisierung des Zustelldienstes zum Postamt Duderstadt weiterhin bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Postdienst aus.
1986 übernahm Elisabeth Vollmer den Teildienstposten als Posthalterin in Westerode. Die Poststelle ist seit 1989 mit einem elektronischen Postschalter ausgestattet und scheint in ihrem Bestand derzeit nicht gefährdet zu sein.

Die ehemalige Molkerei

Eine Molkerei befand sich seit dem 16. April1906im Ort Westerode. Unter dem Namen „Centralmolkerei der goldenen Mark“ wurde laut amtsgerichtlicher Eintragung vom 3. Juli 1906 der Betrieb aufgenommen. Sie wurde von Herrn J.J.Friedrich aus Desingerode geleitet.
Die Existenz der damaligen Molkerei war stark gefährdet, da das „Selbstmarkten“ der Bauern noch groß geschrieben wurde. Die Jahreslieferung lag nach der Überlieferung noch weit unter einer halben Million Kilogramm Milch. Bereits am 28.05.1912 wurde der Genossenschaftsbetrieb meistbietend versteigert. Der damalige Gesamtversicherungswert belief sich einschließlich des 31 ar umfassenden Grundstücks auf 59.000 Mark. Im Oktober 1912 wurde der Betrieb unter dem Namen „Molkerei Westerode GmbH“geführt. Alle Mühen die Milchanlieferungen zu steigern, schlugen aber weiterhin fehl, und die Molkerei Westerode schloss1917 ihre Tore.
In den Jahren von 1918 bis 1933 lag die Molkerei zeitweise jahrelang still. Das wechselte sich mit kurzer Inbetriebnahme durch verschiedene Privatbesitzer ab. Am 01.09.1917 übernahm der Kaufmann Christoph Kullmann den Betrieb, am 13.02.1919 der Molkereibesitzer Ferdinand Friedrich aus Salzderhelden, am 15.11.1920 der Molkereibesitzer Bernhard Schuler aus Mönchengladbach, am 05.08.1926 der Molkereibesitzer Josef Winter, am 13.11.1931 der Staatssekretär Dr. Hermann Heukamp aus Teistungenburg.
Anfang1934 nahm die zwischenzeitlich gegründete „Molkereigenossenschaft des Kreises Duderstadt e. GmbH“ den Betrieb auf. Sie übernahm die Molkerei Westerode von ihrem letzten Vorbesitzer Dr. Heukamp. Die Inneneinrichtung, Maschinen und technische Anlagen, wurde komplett erneuert. Die Molkerei galt nach ihrem Umbau als eine der maschinell modernsten Anlagen im Raum Südhannover. Die Aktivität der Genossenschaft und die ins Leben gerufene Marktordnung des dritten Reiches weckte in der einheimischen Landwirtschaft Interesse für die Milchwirtschaft.
Zu den Gründungsmitgliedern dieses Genossenschaftsbetriebes zählten u. a. Louis Nolte aus Westerode Nr. 96, Johannes Hackethal aus Duderstadt Oberhof, August Otto aus Obernfeld Nr. 111, Heinrich Aschoff aus Desingerode Nr. 78, Freiherr Ludwig von Minningerode aus Silkerode, Fritz Nachtwey aus Seulingen, Johannes Bertram aus Wollershausen, Karl Aschoff aus Esplingerode, Robert Goldmann aus Seeburg, Eduard Leineweber aus Nesselröden und weitere Landwirte aus Bernshausen, Mingerode und Immingerode.
Die Milchanlieferung nahm einen stetigen Aufschwung. So wurden im Jahre 1934 ca. 1,5 Millionen und im Jahre 1955 ca. 5,5 Millionen Kilogramm Milch angeliefert.
Infolge der ständig steigenden Milchlieferungen und der größeren Qualitätsanforderungen hielt der damalige Geschäftsführer (seit 01.06.1937) Molkereidirektor Aloys Kröling bauliche und maschinelle Erweiterungs- und Umbauarbeiten für erforderlich. Am 5. Juli 1954 erfolgte der Spatenstich und am 1. Dezember 1955 fand die feierliche Einweihung statt. Verantwortlich für den Ausbau der Molkerei zeichneten für den Vorstand die Herren Heinrich Hölscher, Westerode, Franz Hellmold, Nesselröden, Theodor Preis, Duderstadt und für den Aufsichtsrat Otto Mühe, Obernfeld, Johannes Stange, Breitenberg, Heinrich Aschoff, Duderstadt, Wilhelm Bernhard, Tiftlingerode, Albert Rahlfs, Werxhausen, Richard Schwedhelm, Mingerode.
Bis 1959 konnte die tägliche Milchanlieferungsmenge, sie wurde mit 4 Traktoren in Kannen aus dem Einzugsgebiet des südwestlichen Kreisgebietes bis Etzenborn angeliefert, vervierfacht werden. Nach der Erweiterung der Milchanlieferung um die Gemeinden Fuhrbach, Langenhagen und Brochthausen im Jahre 1963 und Anschaffung eines Milchsammelwagens im Jahre 1966 erhöhte sich die täglich angelieferte Milchmenge bis 1968 auf 25.000 Liter. In den Jahren 1970 wurden Seulingen, im Jahre 1982 Rollshausen , Rüdershausen, Rhumspringe und Gieboldehausen zu weiteren Milchlieferanten. Die hergestellten Erzeugnisse, wie z. B. Vollmilch, Butter, Schlagsahne, Schmand, Speise- und Sahnequark wurden zu führenden, hervorragenden Qualitäten auf dem deutschen Markt. So erhielt die Molkerei seit 1972 jährlich eine Goldmedaille von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG). Im Jahre 1981 konnte Geschäftsführer Otto Leinemann (seit 01.07.1966 tätig) die silberne Benno-Martiny-Medaille für diese konstant gute Dauerleistung in Empfang nehmen.
Zu ihrem 50jährigen Bestehen im Jahre 1984 konnte die Molkerei Westerode unter Geschäftsführer Otto Leinemann das Rekordergebnis von 18 Millionen Kilogramm angelieferter und verarbeiteter Milch pro Jahr verzeichnen. Diese Menge sank bis zum Jahre 1990 auf 12,2 Millionen Kilogramm ab. Der Grund lag in der Kontingentierung der Milch, verbunden mit Anreizen zur Verringerung oder Aufgabe ganzer Viehherden.
Im Jahre 1985 verarbeitete die Molkerei zu Westerode die Milch von 2807 Kühen aus 154 Betrieben (1975: 290 Betriebe). Die abgeführte Milchmenge betrug im Jahre 1975 pro Lieferant 39.200 Liter, sie stieg bis 1985 je Lieferant auf 93.600 Liter.
Die Molkerei in Westerode wurde in den fünfziger- und sechziger Jahren nicht nur von Schulen, sondern am 24.11.1965 auch vom damaligen Niedersächsischen Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten besichtigt. Alle Teilnehmer zeigten sich beeindruckt von der genossenschaftlichen Einrichtung.
Nach über 55jähriger Selbständigkeit bzw. eine über acht Jahrzehnte gewachsene Genossenschaft wurde zum Jahresende 1989 die Produktion von Molkereiprodukten in Westerode wohl für immer eingestellt. Die Genossenschaftsmitglieder sprachen sich mit großer Mehrheit im Dezember 1989 auf ihrer Generalversammlung für eine auf 2 Jahre terminierte Kooperation mit dem Hansano Milchhof Göttingen und damit für das Ende der Molkereigenossenschaft Westerode aus. Zugleich befürworteten die Mitglieder die Veräußerung des Betriebsgrundstücks.
Dem scheidenden Vorstand gehörten als Vorsitzender Heribert Biermann, Duderstadt, Vitus Leineweber, Nesselröden, Franz Gödecke, Rhumspringe und Helmut Vollmer, Westerode als Vorstandsmitglieder an. Der letzte Aufsichtsrat setzte sich aus dem Vorsitzenden Godehard Wüstefeld, Hilkerode, und den Aufsichtsratsmitgliedern Josef Bodmann, Werxhausen, Robert Diedrich, Rüdershausen, Hermann Eckermann, Breitenberg, Vinzenz Kellner, Desingerode, Alfred Müller, Etzenborn, Franz Otto, Mingerode, Werner Rhode, Fuhrbach, Heinz Rink, Seulingen, Herbert Wagner und Alfons Zapfe, Tiftlingerode zusammen. Als Geschäftsführer war Otto Leinemann bis zur Auflösung der Genossenschaft tätig.
Durch die Stillegung verloren zehn Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz in Westerode. Acht von ihnen wurde ein adäquater Arbeitsplatz in Göttingen angeboten. Zwei erhielten eine finanzielle Abfindung. Auch für die Eichsfelder Verbraucher ergaben sich einige Nachteile. Sie müssen vor allem auf die Frische vieler Molkereiprodukte verzichten.
Schade, dass es diese Genossenschaft nicht mehr gibt.

Die ehemalige Ziegelei

Das genaue Gründungsdatum der Ziegelei Westerode lässt sich nicht mehr festlegen. Es muss wohl zwischen dem 16.07.1884 und dem 14.03.1885 liegen. Denn laut einer Wahlausschreibung für die preußische Landtagswahl vom 16.07.1884 gab es im Orte keinen Gewerbetreibenden oder Bergwerkbesitzer. Am 14.03.1885 offerierte der Ziegeleibesitzer Johannes Redemann Backsteine in verschiedenen Sorten, Backofensteine, russische Rohr- und Kesselsteine, Drainrohre sowie Gipskalk zu billigsten Preisen.
Die Ziegelei Westerode gehörte zu den ersten Ziegelproduktionsstätten in der Umgebung von Duderstadt, denn der rote Schiefer-Ton wird auch das Gold des Eichsfeldes genannt.
Die Zahl der Ziegel- und Steineproduktionsstätten sollte bis zum 03.08.1907, als die Ziegelei in Westerode bereits von Herrn R. Tettenborn geleitet wurde, auf zehn größere Ziegelwerkstätten in der Gegend um Duderstadt anwachsen, die etwa 200 Arbeiter beschäftigten und zusammen etwa 25 Millionen Steine pro Jahr anfertigten. Die Ziegelproduktion stellte somit einen herausragenden ökonomischen Faktor für die Bevölkerung des Eichsfeldes dar.
Im Jahre 1909/1910 übernahm, nach dem Selbstmord des Herrn Tettenborn, Herr Julius Kaluza den Ziegeleibetrieb. Julius Kaluza und seine Familie, die aus Zyrowa, Kreis Groß-Strehlitz (Schlesien) stammte, waren in Westerode angesehen.
Der Ziegelton wurde am Hörberg abgebaut und mit Loren auf einer Schmalspurbahn zur Ziegelei transportiert. Die vollen Loren liefen ohne Hilfe bis zum Eingang der Ziegelei. Pferde zogen die leeren Loren wieder zur Abbaustelle hinauf.
Die Ziegelei blühte und hatte den Absatz ihrer Produkte in ganz Deutschland. An erster Stelle stand der norddeutsche Raum, Salzgitter, Braunschweig und Goslar. Selbst die Stadt Berlin bezog für ihren Ausbau Ziegelsteine aus dem Kreis Duderstadt. In dieser Zeit hatten ca. 15 Arbeiter in der Ziegelei ihren Arbeitsplatz.
Um das Jahr 1940 übernahm Herr Hermann Friedrich, gebürtig aus Brokhausen bei Detmold, die Ziegelei. Diese führte er dann später mit seinem Sohn Reinhard. Die Loren wurden nun mit einer Diesellok gezogen. Im Jahre 1956 "fuhren" 19 Arbeiter mit ihrem Chef eine Schicht. Der Verdienst lag zwischen 350 und 400 Mark.
Die Ziegelei hatte 1956 eine Kapazität von 20.000 Steinen. Mehr fasste der Ringofen, die eigentliche Brennerei, nicht. In fast 100 Jahren Ziegelei Westerode fraß sich ein gewaltiges Loch in den Hörberg. Doch der Tonabbau schuf dem Sportverein FC Westerode ein Feld für seinen Fußballplatz.
Heute befindet sich westlich vom Zufahrtsweg zum Tonabbaugebiet ein Biotop, die östliche Seite wird teilweise rekultiviert. Die Bogenschützen haben ihr sportliches Domizil auf dem ehemaligen Sportplatz gefunden.

Handel, Handwerks- und Baubetriebe

Die starke Bevölkerung und das Fehlen jeglicher industrieller Unternehmungen am Ort oder in der näheren Umgebung und die für viele unbefriedigende Verteilung des Grundbesitzes zwangen von der Mitte des 19.Jahrhunderts an auch viele Westeröder den Beruf eines Maurers, Zimmermanns, Dachdeckers, Fliesenlegers, Malers oder Steinhauers zu ergreifen und diesen vielfach als Wanderarbeiter in den neu entstandenen und sich schnell entwickelnden Industriezentren in West-, Nord- und Mitteldeutschland auszuüben.
Mit seinem Anteil an der Gesamterwerbsbevölkerung konnte das Bauhandwerk in Westerode jedoch nie die Bedeutung erlangen wie in einigen, landwirtschaftlich benachteiligten Gemeinden des Untereichsfeldes. So gab es zum Beispiel im Jahre 1912 nur 50 Bauhandwerker in Westerode, die ausschließlich als Wanderarbeiter ihr Geld verdienten.
Eine Ursache hierfür war sicherlich auch der geringe Verdienst, den ein auswärts beschäftigter Arbeiter für die Bestreitung seiner persönlichen Bedürfnisse in der Fremde und die seiner Familie zu Hause erwirtschaftete.
Noch schlechter war dieses Einkommen noch Mitte des 19. Jahrhunderts, denn in einem auf Anfrage des Hannoverschen Amtes zu Duderstadt erfolgten Schreiben gab ein Bauermeister den jährlichen Verdienst eines Wanderarbeiters im Jahre 1857 mit 75 Reichstalern an, wovon der Arbeiter 30 RT auswärts für Kost und Wohnung in der Zeit von Ostern bis Martini zu bezahlen hatte. Lediglich 45 RT verblieben der Familie für das Auskommen während der Wintermonate und die Deckung der von der Familie in Abwesenheit des Ernährers gemachten Schulden. Ohne einen bescheidenen Grundbesitz, den auch die überwiegende Anzahl der hiesigen Wanderarbeiter besaß, wäre also die Ernährung der meist großen Familien nur schwer zu sichern gewesen.
Die wirtschaftliche Entwicklung in Westerode im Bereich des Handwerks und des produzierenden Gewerbes zeigt kaum Abweichungen zu der Entwicklung im ehemaligen Kreis Duderstadt. Der Anteil an der Gesamterwerbsbevölkerung für den Bereich „Handel und Verkehr“ lag allerdings in Westerode erheblich höher im Vergleich zum Kreis Duderstadt. Dieses war u.a. auch auf die Gründung der Konsumgenossenschaft „Eichsfeldia“ zurückzuführen. Nach dem 2. Weltkrieg wurden in Westerode 12 neue gewerbliche Betriebe, davon 5 echte Flüchtlingsbetriebe gegründet. Im Jahre 1948 bestanden somit 3 Geschäfte, 21 Handwerksbetriebe und eine größere gewerbliche Unternehmung, die 8 Arbeiter beschäftigte. Mit dieser Zahl an Handels- und Handwerksbetrieben lag Westerode über dem Durchschnitt im ehemaligen Kreis Duderstadt. Die Firma Saenger Einen der größten Betriebe im Ortsteil Westerode stellt die Bau- und Brennstoffhandlung Saenger dar. Die Firma, die seit 1921 direkt an der Bahnlinie in Westerode ansässig ist, wurde im Jahre 1885 in Esplingerode von Andreas Eduard Saenger als Landhandel gegründet. Nach einem Unfall seines Vaters am 8. Februar 1925 übernahm Eduard Saenger die Leitung des Unternehmens. Nach dem 2. Weltkrieg verlagerte die Firma Saenger ihre Aktivitäten auf den Handel mit Baustoffen und Brennstoffen. Seit 1972 ist mit dem Inhaber Wilhelm Saenger die dritte Generation im Geschäft. Der Betrieb wurde flächenmäßig erheblich ausgedehnt und verfügt über einen großen Fuhrpark.

Das Gaststättengewerbe

Dasälteste Gasthaus der Gemeinde befindet sich neben der evangelischen Kirche in der Westeröder Straße Nr. 34. Das wahrscheinlichMitte des 17.Jahrhunderts erbaute Gebäude wurde von einem großen Garten umgeben. Um 1900 wurde der damalige Eigentümer und Gastwirt Konrad Wilke erstmals namentlich erwähnt.
1903 ging die Wirtschaft in den Besitz des aus Pommern kommenden und aus Oberbayern stammenden Gotthardt Steinberger über. Dieser gab dem Gasthaus den ersten Namen: "Beyrischer Hof".
Bei einem Brand im Jahre 1906 wurde das Anwesen weitgehend vernichtet. Der Pferdehändler Heinrich Mecke aus Duderstadt erwarb diese Brandruine und erbaute das noch heute erhaltene Haus (ohne Saal) mit einer Pferdeschlachterei.
Nachdem der Inhaber mit einem Pferdefuhrwerk schwer verunglückt war, übernahmen sein ältester Sohn Heinrich und sein Schwager Sommerfeld den Betrieb.
Die Söhne Heinrich und Franz Mecke führten die Wirtschaft und Pferdeschlachterei nach dem Tod des Vaters bis zum Ende des I. Weltkrieges weiter. Die gebürtigen Duderstädter verkauften das von ihrem Vater aufgebaute Anwesen an die Familie Nachtwey.
1954 wurde die Gaststätte für Jahrzehnte vom Gastwirt Hermann Schröder gepachtet. Sie wurde zur Versammlungsstätte örtlicher Vereine. Der Männergesangverein führte seine wöchentlichen Übungsabende und der Karnevalclub seine ersten Büttenabende im Saal dieser Wirtschaft durch. Auch bei der Jugend des Ortes fand die Gaststätte unter dem Pächter Hermann Schröder guten Zuspruch. Nach seinem Tod wurde die Wirtschaft zunächst von seiner Frau und seinen Söhnen weitergeführt.
Spätere Pächter waren relativ kurzzeitig die Familie Senftleben aus Obernfeld sowie der Westeröder Klaus Friedrich und danach sein Bruder Jürgen Friedrich.
Nach Beendigung des letzten Pachtvertrages verkaufte die Familie Hunold (Namensänderung durch Heirat der Tochter) das Anwesen. Die Gastwirtschaft wurde zwischenzeitlich als Geschäftsraum für den Handel mit Motorrädern und Zubehör genutzt. Heute sind nach weiteren Um- und Erweiterungsbauten eine Pizzeria und eine Versicherungsagentur in diesem Gebäude untergebracht. DiezweitältesteGastwirtschaft in Westerode befand sich in dem jetzt städtischen Gebäude in der Westeröder Straße Nr. 10 neben der Mehrzweckhalle. Diese Wirtschaft wurde erstmals im Jahre1740 erwähnt. Zu dieser Zeit führte der Gastwirt Caspar Daniel Gödecke(geb. 1707) aus Helmstedt die Wirtschaft mit dem anliegenden Bauernhof.
Im Januar 1804 heiratete Regina Gödecke den späteren Schultheiß, Land- und Gastwirt Ernst Wilhelm Nolte aus Seulingen. Dieser starb 1864 in Westerode. Zu dieser Zeit befand sich unmittelbar vor dem Haus ein Brunnen, der mit vier weiteren, öffentlichen Brunnen zur Wasserversorgung der Gemeinde beitrug.
Im Jahre 1900 übernahm Louis Nolte den landwirtschaftlichen Besitz und die dann gut besuchte Gaststätte. Nach dem plötzlichen Tod seiner Frau verkaufte Louis Nolte das Anwesen und erbaute östlich der jetzigen Mehrzweckhalle einen neuen Bauernhof.
Neuer Eigentümer wurde im Jahre 1909 Christian Hagemann aus Dinklar bei Hildesheim. In dieser Zeit wurde der Pferdestall zu einem Billardzimmer umgebaut, der Saal modernisiert und eine verzierte Veranda zur Straße hin angelegt. Die jetzt oftmals stattfindenden Tanzvergnügen mit auswärtigen Musikkapellen erfreuten sich großer Beliebtheit in der Bevölkerung. Durch den I. Weltkrieg, an dem auch Hagemann als Soldat teilnehmen musste, ging die Zahl der geselligen Veranstaltungen und der Besuch der Gaststätte stark zurück. Nach 15jähriger Tätigkeit verkaufte Christian Hagemann den Gasthof an Anton Hüttis. Schon 1924 ging das Anwesen in den Besitz der Gemeinde Westerode über.
Ein späterer Pächter dieser Gaststätte war dann Robert Birkefeld.
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Gebäude vom Reichsarbeitsdienst und später als Kindergarten der Gemeinde Westerode genutzt. Nach der Schließung der hiesigen Volksschule im Jahre 1972 konnte der Kindergarten in die freigewordenen Räumlichkeiten im Niederdorf umziehen. Das inzwischen städtische und als ortsbildprägendes Gebäude eingestufte Haus in der Westeröder Straße Nr. 10 wurde 1988 durch den Anbau der Sanitär- und Umkleideräume erweitert. Neben diesem Anbau befindet sich noch ein Sitzungszimmer. Das eigentliche Gebäude beherbergt die Jugendräume des Ortes, eine Küche, 2 Mietwohnungen und Archiv- und Lagerräume im Dachgeschoß.
Die angeschlossene Mehrzweckhalle, die 1990 in weitgehender Eigenleistung durch Wiederherstellung der alten Bühne, den Einbau einer Theke und die Instandsetzung des Holzfußbodens renoviert worden ist, dient dem überörtlichen Kindergarten Westerode als Turnraum und steht allen örtlichen Vereinen und Mitbürgern zur Durchführung von Veranstaltungen zur Verfügung. Dasjüngste Gasthaus unserer Gemeinde wurde1889 am Bahnübergang in der Westeröder Straße Nr. 52 erbaut. In dem Jahr konnte die Einweihung der Eisenbahnstrecke Duderstadt - Wulften vorgenommen werden. Der erste Eigentümer dieser Gaststätte war Eduard Saenger aus Esplingerode. Zu dieser Zeit hatte die Gemeinde 459 Einwohner und drei Gasthäuser. Der Wirtschaft war eine Kohle-, Getreide- und Baustoffhandlung angeschlossen.
1905 ging das Anwesen in den Besitz des Maurers Franz Schwethelm über, der den Handel mit Kohle und Baustoffen fortsetzte. Dabei diente der Raum unter der damaligen Bühne und dem Saal als Lager.
Ein Brand im Jahre 1912 vernichtete die Gastwirtschaft, aber der angrenzende Saal konnte durch den Einsatz der Feuerwehr vor den Flammen gerettet werden. Der Wiederaufbau der Gaststätte erfolgte noch im gleichen Jahr durch die Brüder Christof, Johannes und Franz Schwethelm und deren Schwager Josef Bömeke.
Die Gebäude wurden 1914 an den Metzgermeister Johannes Kellner aus Desingerode verkauft. Der neue Inhaber baute Teile des Gebäudes zu einer Schlachterei um.
Nach dem Tod seines Vaters übernahm der Metzgermeister Karl Kellner die Gastwirtschaft und Schlachterei. Die Herstellung guter Eichsfelder Wurst machte den Betrieb über die Grenzen der Gemeinde hinaus bekannt. Zudem ist der weiträumige Saal und das Nebenzimmer ein viel in Anspruch genommener Tagungs- und Veranstaltungsort. Der Rosenthaler Hof Im Jahre 1950 siedelte der Landwirt Karl Borchardt aus Werxhausen seinen Betrieb auf sein Grundstück an der Landesstraße 569 gegenüber der Kreisstraße aus.
Selbst Mitglied der Realgemeinde „Rosenthaler Erbschaft“ wusste er um das Gebiet der ehemaligen Ortschaft Rosenthal, und so bot es sich an, seinen Besitz „Rosenthaler Hof“ zu nennen.
Seine Frau Elly hatte schon im Jahre 1960 den heutigen Urlaubstrend „Ferien auf dem Bauernhof“ umgesetzt und als Nebenerwerb eine kleine Pension mit vorerst drei Zimmern eingerichtet. Die angebotene Vollpension kostete 10 DM pro Person. Schon bald mussten für die Gäste, vornehmlich Großstadtfamilien weitere 3 Zimmer eingerichtet werden.
Tochter Marietta und ihr Ehemann August Brüggemann betrieben bis zum Tode des Schwiegersohnes im Jahre 1972 dann wieder verstärkt eine Schweinezucht auf ihrem Hof.
Im Jahre 1975 ließ die verwitwete und inzwischen mit dem Gärtner Bernward Diedrich verheiratete Inhaberin einen Teil des Stallgebäudes in eine rustikale Gaststätte umbauen. Eine große Küche wurde angegliedert und die Zahl der Fremdenzimmer auf 15 erhöht. Pächter dieser jetzt bekannteren Gaststätte und des Anwesens war die Familie Ziemann.
Das Ehepaar Röhser als Pächter legte den Schwerpunkt auf ein Sporthotel Sie gründeten den Rosenthaler Bogensportclub, waren hier als Trainer tätig und machten durch nationale und internationale Turniere den Rosenthaler Hof bekannt. 1986 übernahm dann der Unternehmer Christian Daume das Gebäude und die Grundstücke. In mehreren Bauabschnitten wurde eine Tennishalle, Kegelbahnen, größere Gast- und Tagungsräume und ein großzügiger Hoteleingangsbereich errichtet. Das Bettenangebot des Hotels Rosenthaler Hof wurde auf über 200 ausgedehnt.