Der Ort Westerode wurde erstmals zweifelsfrei im Oktober 1196 erwähnt. In einer in Erfurt verfassten Urkunde, bestätigte Erzbischof Konrad von Mainz neben anderen Verfügungen dem Kloster Weende bei Göttingen seine Rechte und Freiheiten und nahm seine Einkünfte und Güter, unter denen sich auch Zehntrechte in „Westerod“, „Mundigerod“(Mingerode), „Desingerod“ (Desingerode) und „Aspelingerod“ (Esplingerode) befanden, unter seinen Schutz. Eine andere „Urkunde“ aus dem Jahr 1189 mit einem weitgehend der Urkunde von 1196 entsprechenden Inhalt erwies sich schon im vorherigen Jahrhundert als Fälschung.
Diese „Urkunde“, die im Unterschied zur Urkunde von 1196 -sie befindet sich im Staatsarchiv Hannover, Urkunde Stift Weende 2 - nur abschriftlich erhalten ist, unterscheidet sich von der echten Urkunde neben weiteren Auffälligkeiten in Form und Schriftcharakter vor allem durch drei Zusätze und eine Unterlassung. Die Besitzliste der „Urkunde“ von 1189, der wahrscheinlich die echte Urkunde von 1196 und eine weitere, leider verlorene Urkunde dem Erzbischof Konrad als Vorlagen gedient haben, weist eine beträchtliche Vermehrung des Einzelbesitzes des Klosters Weende aus, der nur schwerlich innerhalb von sieben Jahren zu erreichen gewesen sein dürfte. Die Aufführung des Vogtes Hermanus de Grona als Zeuge in der verunechteten Urkunde von 1189 deutet daraufhin, dass dieses Schriftstück möglicherweise erst Ende des 13. Jahrhundert ausgefertigt wurde. In einer Urkunde vom 4. April 1242 begegnet uns dann der "miles Henricus de Westerot als Zeuge bei einer Schenkung, die Otto von Plesse dem Deutschen Orden in Bilshausen geleistet hat .
Als Volrad von Schneen und Heidenreich von Mutzevall in Walkenried und Duderstadt im April 1257 den Grafen von Lauterberg und Scharzfeld drei Hufen Landes sowie die Kirche zu Nohra resignieren (verzichtet), trat „Hunoldus de Westerode, ein Bürger der Stadt Duderstadt, ebenfalls als Zeuge auf.
1261 wurde mit Luderus („Sacerdos in Wesderrod) erstmals ein Pfarrer in Westerode namentlich erwähnt. Im Jahre 1278 kaufte das Kloster Pöhlde einen Zehnten von Westerode von dem Duderstädter Bürger „Wernher von Seulingen und erhielt zusätzlich den Zehnten, den die beiden Brüder „Johannes und Wernherus de Westerodt dem Erzbischof von Mainz zugunsten des Klosters Pöhlde resigniert (verzichtet) hatten.
Seit April 1295 stand dem Kloster Pöhlde, zu dessen Gunsten Ritter „Heinrich von Rinne“ bereits am 21.12.1294 auf alle Rechte an Ländereien in Westerode verzichtet hatte, das Patronatsrecht über die Kirche in Westerode zu.
Im Jahr 1301 wurde schließlich die Pfarrkirche von Westerode dem Kloster Pöhlde inkorporiert (einverleibt).

Westerode als Ratsdorf der Stadt Duderstadt

Nachdem bereits mehrfach Personen aus Westerode als Zeugen bei verschiedenen Amtshandlungen und Rechtsgeschäften in Duderstadt aufgetreten waren, ja sogar drei Herren „de Westerode“ im Jahre 1273 dem 12 Ratsherren umfassenden Rat der Stadt als "consules" angehörten, tauchte Westerode im Jahre 1432 erstmals zusammen mit allen übrigen Rats- und Kespeldörfern der Stadt in den Städtischen Rechnungsbüchern auf. Diese Aufführung beweist, dass die Ortschaft Westerode vor dem Jahre 1432 - auf welche Weise, ist nicht überliefert- in die politische und jurisdiktionelle Abhängigkeit vom Rat der Stadt Duderstadt geraten war und in die Reihe der elf Ratsdörfer, zu denen es bis weit ins 19. Jahrhundert hinein zählen sollte, eingegliedert worden war. Als beherrschtes, abhängiges Dorf war es fortan engstens mit dem Geschick der Stadt Duderstadt verbunden.
Als Gegenleistung für den freien Zu- und Abtritt in und aus der Stadt, den Schutz in Notzeiten und die wirtschaftlichen Vorteile hatte auch Westerode der Stadt Abgaben zu leisten und Dienste für diese zu verrichten. Im Gegensatz zu den Einwohnern der Stadt, deren Hauptabgabe mit dem „Geschoß“ eine Geldsteuer bildete, bestand die Leistung der Rats- und Kespeldörfer vorwiegend in der Ableistung von Hand- und Spanndiensten sowie der Entrichtung von Naturalabgaben.

Dienste

Die Dienstarbeiten der Ratsdörfer und bis 1525 auch uneingeschränkt der Kespeldörfer, waren teils gemessen, d.h. in ihrem Umfange feststehende, und teils ungemessen, d.h. solche, die der Rat nach Bedarf anordnen konnte. Im Jahre 1680 galten sie für den Bürgermeister Barckefeldt aus Duderstadt als „das beste Kleinod, so diese Stadt, von undenklichen Jahren wohl hergebracht“. Sie stellten zweifellos eine der Hauptquellen des städtischen Wohlstandes dar, wurden aber -vor allem die ungemessenen Dienste- als besonders drückend empfunden.
Aus der Aufstellung über die jährlichen Dienstleistungen für die Stadt erkennen wir die Belastungen, denen die Bürger der ratsabhängigen Ortschaften neben ihrer eigenen Arbeit ausgesetzt waren. Die handdienstpflichtigen Hintersattler, die kein Zugvieh besaßen, harkten das Heu beim Einfahren von der großen Musewiese. Hierzu hatte die Gemeinde auch die nötigen Wagen zu stellen. Entlohnt wurde diese Verpflichtung durch eine Kanne Bier (ca. 2 Liter) und einen Kringel.
Die spanndienstpflichtigen Bauern waren verpflichtet, für den Rat Kieselsteine aus der Oder bei Herzberg heranzufahren (ca. 1m3 je Wagen). Des Weiteren mussten sie das Deputatsholz für die städtischen Förster, die Kirchen- und Schulbediensteten, die Turm- und Nachtwächter sowie den Landvogt transportieren. Außerdem oblag ihnen die Anfuhr von vier Scheibenschlagerbäumen zum städtischen Schützenfest. Auch diese Arbeiten wurden mit je einem Stübchen Bier (ca. 3,7 l ) und einer Kringel entlohnt. Für das Ratsgut in Breitenberg hatte Westerode jeweils zur Sommerzeit und zur Ruhr vor der Ernte 16 Wagen zu stellen.
Desgleichen fuhren die Spanndienstpflichtigen mit den dazu notwendigen Wagen das Heu von der Musewiese ein. Zusammen mit den gespannhaltenden Bauern aus Gerblingerode, Tiftlingerode und Immingerode transportierten die spanndienstpflichtigen Bauern aus Westerode Winterfrüchte des Ratsgutes nach Breitenberg.

Abgaben

Mit Satzhafer wurde ein bestimmtes Quantum Hafer bezeichnet, zu deren Abgabe seit dem Ende des 15. Jahrhundert (erstmalig 1497/1498) jedes Rats- und Kespeldorf verpflichtet war. Zu dieser Abgabe, die der Unterhaltung der städtischen Pferde im Marstall unter dem Rathaus diente, trug jedes Ackergut 1 Malter und jeder Hintersattler 1/2 Malter Hafer bei. Dieser sogenannte Satzhafer wurde anfänglich mit einem Preis bezahlt, der etwa 4/5 , ab Anfang 1540 die Hälfte, und nach dem 30-jährigen Krieg noch ein Drittel des Marktpreises betrug.
Nachdem der Marstall im 18. Jahrhundert auf wenige Pferde reduziert worden war, wurden nur noch die unentgeltlich zu liefernden 2/3 des Satzes erhoben. Die Bezeichnung Satzhafer rührte nicht wie Barckefeldt glaubte, daher, dass der Rat der Stadt den Preis jährlich festsetzte, sondern daher, dass die Lieferung selbst von der Stadt festgesetzt, den Untertanen auferlegt worden war, so wie das schon früher wiederholt erhobene Sattegeld.
Außerdem hatte jedes Dorf einen, allerdings geringen Betrag, als Knickgeld zur Unterhaltung und laufenden Überwachung der Knicks, der äußersten Verteidigungslinie der Stadt, zu entrichten.

Westerode in Kriegszeiten

Westerode während der Zeit des 30 jährigen Krieges (1618-1648)

Westerode hatte während der Zeit des 30jährigen Krieges neben Beschwernissen wie Pest und Plünderungen auch drückende Lasten und Abgaben zu ertragen. Fast in jedem Jahr musste der Ort -wie die anderen Ortschaften der Stadt Duderstadt auch- Kontributionen (Zwangsauflage) sowohl an feindliche, wie auch an kaiserliche Truppen entrichten, Soldaten und Pferde einquartieren, beköstigen und Proviant, bestehend aus Brot, Fleisch, Getreide und Bier, in das Magazin liefern.
Eine keineswegs vollständige Liste der Lasten des Eichsfeldes soll die Härte für die Bevölkerung verdeutlichen: So legte zum Beispiel General Tilly, der Heerführer der kaiserlichen Armee, der eigentlich mit dem Kurfürsten von Mainz verbündet war, der Stadt Duderstadt und ihren Dörfern im Jahre 1630 eine Kontribution von 21000 RT auf. In den Jahren 1632 bis 1636 trugen die Ratsdörfer, die schon in dem Zeitraum zwischen 1620 und 1630 durch Pest und Plünderung schwer gelitten hatten, mit einer Gesamtsumme von 18.400 RT zur städtischen Kontribution bei die an die Herzöge von Braunschweig und Weimar sowie an den Kurfürsten zu Brandenburg zu entrichten war.
1636 steuerte Westerode weitere 118 RT, 29 gg, 13 Pfennig zu einer städtischen Kontribution bei. 1645 trug Westerode seinen Teil zu der, der Stadt Duderstadt vom schwedischen General Königsmark auferlegten Lieferung von 17 1/2 Malter Korn, 6 Malter Gerste, 22 Malter Hafer, 10 1/2 Fässer Bier und 1490 Pfd. Fleisch bei .
Auch nach Beendigung des 30 jährigen Krieges zogen verschiedene Armeen durch die Ortschaft. In den Jahren 1675 bis 1677 und 1705 hatte Westerode Durchmarsch und Quartier hannoverscher und brandenburgischer Truppen zu überstehen. Die Kosten dieser Einquartierung und der damit verbundenen Vorsorge beliefen sich für Westerode im Jahre 1675 auf 1340 RT, 2 gg, 8 Pf und im Jahre 1677 für die Dauer von 16 Tagen für 39 Personen mit 45 Pferden auf 222 RT, 20 gg, 10 Pfennig .

Westerode während des 7 jährigen Krieges (1756-1763)

Schwer getroffen wurden Westerode und das gesamte Eichsfeld durch den siebenjährigen Krieg, den Preußen und Österreich wegen des Besitzes der reichen Provinz Schlesien gegeneinander führten. Als katholischer Erzbischof und als Erzkanzler des hl. Römischen Reiches deutscher Nation trat der Kurfürst von Mainz in diesem Konflikt sofort an die Seite der katholischen Kaiserin Maria-Theresia. Somit war das Eichsfeld von Feinden umgeben, da alle protestantischen Nachbarregionen den preußischen König Friedrich II unterstützten. Für das Bündnis mit Österreich musste das Eichsfeld schwer büßen.
Die folgenden Aufzählungen verdeutlichen die Last, die Westerode in dieser schweren Zeit zu tragen hatte. So fuhren am 16.10.1758 drei Vierergespanne aus Westerode nach Moringen ab und verbrachten dort 9 Tage. Während dieser Zeit brachten sie an zwei Tagen Heu von Einbeck nach Moringen, an einem Tag Heu von Eschershausen nach dort in das Magazin. Unter anderem musste Westerode Fouragelieferungen nach Göttingen und Witzenhausen leisten. Zusätzlich zu diesen Lasten musste Westerode auch in diesem Kriege Kontributionen aufbringen, Einquartierungen in Kauf nehmen und Proviantfuhren leisten. So hatte Westerode am 10.10 und am 18.10.1762 4 Wagen mit 118 Rationen Hafer, 118 Rationen Heu, 150 Scheffel Weizenmehl sowie je 1 Sack Möhren und Kartoffeln zu der der Stadt Duderstadt durch die von dem Herzog von Braunschweig auferlegten Lieferung beizusteuern.
Im Februar 1763 ordnete Preußen zur Begleichung der immensen Kriegskosten die Einführung einer „Extraordinären Kopf-, Vermögens- und Nahrungssteuer“ an. Als eine weitere Belastung erwies sich für Westerode die „Brandschutzsteuer“, die der Stadt Duderstadt und ihren Ortschaften von Preußen auferlegt wurde.
Besonders hohe Kosten während des 7 jährigen Krieges verursachte der Durchmarsch und die Einquartierung französischer, preußischer, alliierter, hannoverscher und hessischer Truppen für die Ortschaft Westerode. Der Gesamtbetrag aller Durchmärsche und Einquartierungen betrug 34 661 RT, 92 1/16 Kreuzer, 3 Pf.
Zu diesen Mitteln an Kapitalien hatte Westerode noch Naturalien wie Brot, Bier, Fleisch sowie Heu, Hafer, Stroh und Roggen bei der Einquartierung der Truppen bereitzustellen. In Anbetracht all dieser Lasten und Verpflichtungen ist es eine zwangsläufige Tatsache, dass sich die Gemeinde Westerode im Verlaufe des 7 jährigen Krieges verschulden musste. Eine Aufstellung aus dem Jahre 1765 zeigt, dass Westerode während dieses Krieges ein Kapital in Höhe von 3943 RT aufnahm.
Das Kapital erborgte sich Westerode von den folgenden Personen :

  • Schulze Franz Schwartze
543 RT, 21 3/5 gg
  • Meister Piper aus Duderstadt
630 RT
  • Bernhard Rhoden aus Duderstadt
315 RT
  • Gödecke, J-H Sothe aus Duderstadt
840 RT
  • Andreas Mecke aus Westerode
630 RT
  • Carl Senger aus Westerode
105 RT
  • Andres Engel aus Westerode
26 RT,6 gg
  • Leopold Keyser aus Westerode
15 RT, 18 gg
  • Nicolaus Seib aus Westerode
136 RT, 12 gg
  • Christoph Hillebrand aus Westerode
42 RT
  • Dorfwirt von Westerode
335 RT
  • Christoph Friedrich aus Gellihausen
210 RT
  • Theodor Birckefeld aus Benniehausen
262 RT 12 gg

 

Westerode während des französisch-preußischen Krieges (1806) und den Befreiungskriegen (1813-1815)

Nach dem im Jahre 1802 das Kurfürstentum Mainz infolge einer Übereinkunft zwischen dem französischen Kaiserreich unter Napoleon und Preußen zerschlagen worden war, wurde das Eichsfeld dem Königreich Preußen als Entschädigung für das an Frankreich gefallene linksrheinische, preußische Gebiet zugeschlagen. Ein Vorgang, der es nach sich zog, dass auch aus den Ortschaften des Eichsfeldes Rekruten für das preußische Heer gezogen wurden.
So mussten bereits im Jahre 1806 acht junge Männer aus Westerode für Preußen in den Krieg gegen das französische Kaiserreich ziehen, aus dem sie besiegt und zum Teil verletzt nach Hause zurückkehrten. Wie üblich hatte auch für diesen Krieg die Bevölkerung der besiegten Staaten die Kosten und Lasten zu tragen. So musste Westerode zu der Stadt Duderstadt und den 16 Rats- bzw. Kespeldörfern im Herbst 1806 von Frankreich auferlegten Kriegssteuer in Höhe von etwas über 24.700 RT die Summe von 540 RT, 15 gg, 3 Pfennige, die vom Grundvermögen und auf Gehälter und Pensionen erhoben worden war, beisteuern.
Die Namen der Soldaten aus Westerode, die auf preußischer Seite am Feldzug gegen Frankreich teilnahmen, lauten:

  • Simon Brummert, Regiment von Wobeheser, Eskadron von Arnstädt,
gefangen genommen durch Franzosen
  • Philipp Engel, Regiment von Wobehser, Eskadron von Arnstädt,
 
  • Caspar Beckmann, Regiment von Wartensleben,
gefangen genommen durch Franzosen
  • Christoph Kaiser, Regiment von Wartenleben,
stark verwundet
  • Christoph Kaiser, Regiment von Wartenleben,
gefangen genommen zu Erfurt
  • Joseph Gödecke, Regiment von Wartensleben,
gefangen genommen zu Erfurt
  • Jacob Schwethelm, Regiment von Wartensleben,
gefangen genommen zu Erfurt
  • Joseph Schwethelm, Regiment von Wartenleben,
gefangen genommen durch Franzosen
  • Philipp Beckmann, Regiment von Wartensleben,
gefangen genommen durch Franzosen

Auch nach der Gründung des Königreiches Westfalen -vom französischen Kaiser Napoleon im Jahre 1807 aus ehemals hessischen, hannoverschen, preußischen, braunschweigschen und mainzerischen Besitzungen zusammengefügt und seinem jüngsten Bruder Jerome als Besitztum überlassen- belasteten jährliche Kriegssondersteuern, die einerseits die Kosten des Krieges des Jahres 1806 decken sollten und andererseits die Vorbereitungen weiterer französischer Feldzüge finanzieren sollten, die ökonomische Situation der Eichsfelder Gemeinden in beträchtlichen Ausmaß.
Aus Westerode dienten keine Soldaten bei der Armee des Königs von Westfalen, die im Jahre 1812 mit 27.802 Soldaten und 6.061 Pferden nach Russland zog, von denen lediglich 5.800 Soldaten geschlagen in die Heimat zurückkehrten. Nachdem Napoleon auf seinem Siegeszug in Russland gestoppt und nach Westen zurückgedrängt worden war, zogen auch viele Eichsfelder, zum Teil freiwillig, zum Teil zwangsrekrutiert, gegen den Unterdrücker aus Frankreich zu Felde, um ihn endgültig zu vernichten. So standen im Jahre 1815 nun neun Soldaten aus Westerode unter preußischen Waffen. Sowohl in den Befreiungskriegen von 1813-1816 als auch im preußischen-französischen Krieg 1806 waren von den Westerödern keine Verluste zu beklagen.
Während der Befreiungskriege waren die Gemeinden der höchsten steuerlichen Belastungen ausgesetzt. 60 % der Bruttoeinkünfte dieser Gemeinden des Königreiches Westfalen wurden als Kontributionen an den Staat abgeführt.
Ein Beispiel mag diese extreme Belastung verdeutlichen: Im Jahre 1813 hatte die Ortschaft Westerode einen Aufschlag zur Grundsteuer in einer Höhe von 25 % zu zahlen, hinzu kamen Patent- und Personalsteuern, Schanz-, Militärverpflegungs- und Transportgelder, die an die Staatskasse zur Begleichung der Kriegs- und Kriegsfolgekosten

 

Die Opfer des I. Weltkrieges

Im Gegensatz zu den drei sogenannten „Bismarckschen Einigungskriegen“ der Jahre 1864, 1866 und 1871, in denen keine Opfer aus Westerode zu beklagen waren, hatte unsere Gemeinde in den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts einen hohen Blutzoll zu entrichten. Im I.Weltkrieg ließen folgende Soldaten aus Westerode ihr Leben:

Name

Datum

Name

Datum

Ernst Danne gefallen am 23.08 1914 Karl Beckmann gefallen am 20.09.1916
Joachim Vollmer gefallen am 25.05.1915 Gotthard Steinberger gefallen am 28.04.1917
Aloys Wucherpfennig gefallen am 05.10.1915 Heinrich Schwedhelm gefallen am 20.05.1917
Johannes Rudolph gestorben am 08.02.1916 Johannes Maulhardt gefallen am 04.07.1917
Eduard Schlote gefallen am 13.04.1916 Johannes Schwedhelm gefallen am 20.07.1917
Hieronymus Kruse gefallen am 09.05.1916 Wilhelm Kurth gefallen am 30.07.1917
Josef Schwedhelm gefallen am 20.07.1916< Johannes Schmalstieg gefallen am 15.08.1917
Heinrich Vollmer gefallen am 08.08.1916 Johannes Stöber gefallen am 30.12.1917
Karl Schmidt gefallen am 05.09.1916 Karl Nolte gefallen am 01.10.1918
Augustin Beckmann gefallen am 08.09.1916 Karl Buch gestorben am 04.01.1919



Die Opfer des II. Weltkrieges

 

Name

Datum

Name

Datum

Augustin Hölscher gefallen am 15.09.39 Hans Freyer gefallen am 20.10.39
Heinrich Berning gefallen am 13.05.40 Heinrich Vollmer gefallen am 23.05.40
Eduard Zwingers gefallen am 27.06.41 Franz Schmidt gefallen am 29.06.41
Bernhard Lezoch gefallen am 31.12.41 Anton Brune gefallen am 01.05.42
Karl Weber gefallen am 19.08.42 Gerhard Klapproth gefallen am 06.01.43
Wilhelm Lichtenberg gefallen am 24.01.43 Willi Schlote gefallen am Jan. 43
Paul Kopp gefallen am 25.02.43 Josef Ohnesorge gefallen am 28.06.43
Kurt Gerhards gefallen am 08.07.43 Heribert Rudolph gefallen am 03.09.43
Gustav Vollmer gefallen am 14.09.43 Ottomar Gehrt gefallen am 26.11.43
Willi Schäfer gefallen am 26.11.43 Heinrich Klapproth gefallen am 12.03.44
Bernhard Stollberg gefallen am 13.04.44 Hermann Schlote gefallen am 16.07.44
Franz Danne gefallen am 13.08.44 Wilhelm Wölfert gefallen am 06.10.44
Ewald Kellner gefallen am 31.10.44 Ernst Felkl gefallen am 24.11.44
Waldemar Tietzmann gefallen am 06.12.44 Rudolf Bömeke gefallen am 16.12.44
Otto Schwedhelm gefallen am 29.01.45 Friedel Wolpers gefallen am 23.02.45
Willi Bertram seit gefallen am Jan. 45 Johannes Kellner gefallen am 26.02.45
Franz-Josef Riethmüller gefallen am 14.04.45 Karl Vollmer gefallen am 24.04.45
Hans Karl Ausmeier gefallen am unbekannt Karl Borchardt gefallen am unbekannt
Bernward Dunkel gefallen am unbekannt Gustav Reibert gefallen am unbekannt
August Tietzmann gefallen am unbekannt Hubert Tietzmann gefallen am unbekannt
Albert Vollmer gefallen am unbekannt Franz Weber gefallen am unbekannt



Die Bevölkerungsentwicklung seit 1567

Die Einwohnerentwicklung bis 1871

Die Bevölkerung der Ortschaft Westerode weist von 1567 bis 1609 ein relativ stabiles Bild auf, das während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) deutlich einbricht. Zwischen 1621 und 1645 verminderte sich die Zahl der Herdstellen von 19 auf 5, was dem Rückgang der Einwohnerzahlen von 95 auf 25 entspricht. Im Jahre 1647 war im Ort keine Herdstelle vorhanden, Westerode war somit zeitweise wüst geworden. Für die Verminderung der Bevölkerung bieten sich folgende Erklärungsversuche an:
a) Feindliche Einfälle, die Plünderungen und Brandschatzungen sowie Requirierungen von Zugtieren mit sich brachten, veranlassten viele Einwohner ihr Heimatdorf zu verlassen und teilweise nach Duderstadt abzuziehen, um dort hinter der Stadtmauer Schutz zu suchen. Andere wanderten hauptsächlich am Ende der 1630er Jahre an den Niederrhein oder den Main aus, also in Gegenden, die weniger vom schrecklichen Krieg heimgesucht wurden. Umherstreifende Banden, in denen sich desertierte Söldner und vagabundierendes Gesindel zusammen fanden, verbreiten Angst und Schrecken und bewirkten, dass viele Einwohner die Bestellung ihrer Äcker aufgaben und dieselben brach und wüst verkamen.
b) Außer der durch die Auswirkungen des Krieges erfolgten Designierung der Bevölkerungsorte, die Pest des Jahres 1626, die allein in Duderstadt in den Monaten Juli bis September ca. 2.000 Opfer unter den Bürgern, Eingeflüchteten und Soldaten forderte, sorgte für eine weitere Abnahme der Bevölkerung. Wegen der engen Verbindung Westerodes mit der Stadt Duderstadt ist trotz des in der Stadt verhängten strengsten Verbotes des Verkehrs mit den Dorfbewohnern davon auszugehen, dass die Zahl der Opfer in Westerode im Verhältnis nicht geringer war als die in Duderstadt.
Nach dem am 14.10.1648, 10 Tage vor dem offiziellen Ende des Dreißigjährigen Krieges von der Kurfürstlichen Regierung in Mainz erlassenen Edikt, nach dem allen, die öde, herrenlose Güter übernehmen wollten, eine dreißigjährige Steuerfreiheit und die Befreiung von den Fronden, Wachen und Abgaben mit Ausnahme des Zehnten und alle nur möglichen Unterstützungen beim Bau von Häusern versprochen wurden, kehrten viele, besonders nach der am 25.08.1649 ergangenen Aufforderung des Mainzer Kurfürsten, der nach West- und Süddeutschland ausgewanderten Eichsfelder in ihre Ortschaften zurück. Zusammen mit den Daheimgebliebenen und den aus dem Heeresdienst entlassenen Söldnern begannen sie bald, die ärgsten Schäden an Haus und Hof zu beseitigen und die Äcker zu bestellen, was eine Steigerung der Bevölkerung erst ermöglichte und stark begünstigte. Auch die 1682/83 erneut einsetzenden Pest, der allein in Duderstadt wiederum 525 Personen zum Opfer fielen, änderte daran wenig.
Hauptsächlich dank eines bemerkenswerten Geburtenüberschusses, der sich zwischen 1686 und 1705 auf 1,5% belief, konnten in Westerode Anfang des 18. Jahrhunderts die Bevölkerungsverluste während des dreißigjährigen Krieges ausgeglichen werden.
Nach einer verlangsamten Steigerung der Bevölkerung zwischen 1700 und 1732 setzte nach 1732 erneut ein stärkerer Anstieg ein , der fast ununterbrochen bis 1816 anhielt. Zurückzuführen sein dürfte dieser auf die Einführung von Manufakturen und Webstühlen, an denen im Jahre 1772 im Gerichtsbezirk Duderstadt bereits 76 Wollweber vorwiegend in Nebentätigkeit arbeiteten. Neben den Manufakturen eröffnete vor allem die Weberei vielen eichsfeldischen und auch Westeröder Einwohnern, die bis zu diesem Zeitpunkt allein auf den Ackerbau und das unmittelbar dazu gehörende Handwerk beschränkt waren, eine neue Nahrungsquelle, die erst den weiteren Anstieg der Bevölkerung ermöglichte.
Der Bevölkerungszuwachs in diesem Zeitraum war allein dem Geburtenüberschuss zu verdanken. Verdeutlicht wird dieses Faktum durch die Tatsache, dass z.B. im Jahre 1811 76,6% der Gesamtbevölkerung der Ortschaft Westerode der Generation angehörte, deren Geburt zwischen 1770 und 1810 zu datieren ist. Gleichmäßig verlief die Bevölkerungsentwicklung im 19. Jahrhundert. Von 1824 bis 1845 war ein Anstieg der Bevölkerung um 1,1% zu verzeichnen.
Im Zeitraum von 1845 bis 1871 verminderte sie sich um 0,9%. Eine ziemlich stolze Bevölkerungszunahme war dann wieder von 1871 an zu konstatieren

Die Einwohnerentwicklung im 20. Jahrhundert

Trotz der Verluste von 20 Soldaten im I.Weltkrieg erhöhte sich die Einwohnerschaft von 357 auf 597. Auch dieser Anstieg war wiederum der Geburtenfreundlichkeit der Bevölkerung zuzuschreiben. Mit diesem Bevölkerungsanstieg lag die Bevölkerungsdichte Westerodes 1925 noch weit unter dem Kreisdurchschnitt. Auf einem Quadratkilometer haben im Kreise Duderstadt 116,9 Personen, in Westerode nur 90,4. gewohnt.
Ihren Höhepunkt erreichte die Einwohnerzahl Westerodes kurz nach dem Ende des 2.Weltkrieges. Die Bevölkerungszahl wuchs nun durch die Aufnahme von 306 Evakuierten, Ausgebombten und Flüchtlingen erheblich.
Im Jahre 1946 lebten im Durchschnitt 4,1 Personen in den 197 Haushaltungen in Westerode. Nach einer weiteren Bevölkerungssteigerung bis in das Jahr 1950 hinein, die hauptsächlich auch durch die weitere Aufnahme von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen bedingt war, setzte durch die Abwanderungswelle in die Industriegebiete an Rhein und Ruhr eine Bevölkerungsverminderung ein, die bis in das Jahr 1960 dauern sollte. Die Einwohnerzahl der Gemeinde sank in dieser Zeit von 917 auf 744. Seit 1970 hat sich die Einwohnerzahl der Ortschaft Westerode auf ungefähr 800 eingependelt.



Jahr

Zahl der Herdstellen

Jahr

Einwohnerzahl

Zahl der Haushalte

Einwohnerzahl

1567 27 135 1824   360
1595 26 130 1871   357
1621 19 95 1893   418
1629 22 110 1900   387
1631 15 75 1913   458
1645 5 25 1919   493
1650 14 70 1933   559
1670 33 165 1939   597
1698 27 135 1946   803
1732 33 165 1950   902
1744 36 231 1960   744
1761 30 198 1980 232 828
1782   283 1990   783
1816   355 2000   813



Die Entwicklung des Ortes und seiner politischen Verhältnisse

Die Entwicklung bis 1945

Nach fast 400 jähriger politischer und jurisdiktioneller Abhängigkeit vom Rat der Stadt Duderstadt erhielt Westerode im Jahre 1816 mit Inbesitznahme des Untereichsfeldes durch das Königreich Hannover seine Selbständigkeit und wurde als unabhängige, selbständige Gemeinde dem Amt Gieboldehausen zugeschlagen. Diesem Amt unterstand Westerode bis zum Jahre 1885, als aus den Ämtern Gieboldehausen, Lindau und der selbständigen Stadt Duderstadt der Landkreis Duderstadt, bestehend aus einer Stadt und 29 Landgemeinden gebildet wurde.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und zu Beginn dieses Jahrhunderts erfolgte mit der Gründung

  • der Ziegelei (1885)
  • und der Molkerei (1906) ein wesentlicher Schritt zur wirtschaftlichen Entwicklung der Gemeinde.

Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wurde die Klus im heutigen Christus-König-Weg gebaut.
Zudem wurde in dieser Zeit ein neues Schulhaus im Niederdorf (1886) und die Kirchenneubauten (katholische Kirche 1899/1900/evangelische Kapelle 1901) errichtet.
Im Jahre 1904 wurde ein unter der Straßenoberfläche verlegter Regenwasserkanal fertig gestellt, der erst durch die Durchfahrt amerikanischer Panzer im Jahre 1945 in Teilen zerstört wurde.
Der damalige Bauermeister Franz Vollmer (1865 - 1920) konnte mit seinem 50jährigen Dienstjubiläum ein wohl seltenes Ereignis feiern. Sein Nachfolger als Bürgermeister wurde sein Sohn Karl Vollmer, der diese Aufgabe 25 Jahre lang bis zum Ende des 2. Weltkrieges wahrnahm.
Am 22. Juni 1923 wurde ein Denkmal neben der Nathebrücke zu Ehren der gefallenen Soldaten des I. Weltkrieges eingeweiht. Der örtliche Kriegerverein hatte eigens für die Errichtung dieses Ehrenmales einen Ausschuss gewählt. Das Fundament dieses Denkmal wurde von den Mitgliedern des Kriegervereines in unentgeltlicher Arbeit hergestellt. Mit Hilfe von Sammellisten wurden Getreide, Wurst und Bargeld gesammelt. Das Denkmal selbst wurde von Herrn Eckhardt aus Göttingen angefertigt und von hiesigen Landwirten „per Achse“ abgeholt.
In einer Urkunde, die die Mitglieder des Denkmalausschusses im Juli 1923 unterzeichneten, werden die Kosten für das Denkmal mit 4,5 Millionen Mark angegeben. Als Vergleich beliefen sich die Kosten laut dieser Urkunde für einen Liter Nordhäuser auf 12.000 Mark. Diese Urkunde schließt mit den Worten:
„Möge Gott geben, dass dieses Denkmal hinausleuchtet als Wahrzeichen für unsere Nachkommenschaft und es dieser lange erhalten bleibt.
So waren die Zeiten nach dem Kriege, möge nun bald eine bessere und glücklichere Zeit für unser geliebtes Deutsches Vaterland blühen“.
In den 20ziger Jahren nahm die Anzahl geselliger Veranstaltungen in der Gemeinde zu, und es kam zur Gründung von weiteren Vereinen.
Mit der Grundbucheintragung vom 11. Juni 1934 beim Amtsgericht Duderstadt ging die katholische Volksschule in die Trägerschaft der Gemeinde Westerode über.
Am 16.09.1937 konnte eine massive Nathebrücke eingeweiht werden, die anstelle einer Holzbrücke erbaut worden war.
Im gleichen Jahr gründete die nationalsozialistische Volksfürsorge einen Kindergarten in Westerode.
Der Totalitätsanspruch nationalsozialistischer Politik implizierte die Durchsetzung des Machtanspruches auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens. Dazu gehörte neben der Besetzung der leitenden Positionen in Politik und Verwaltung die Kontrolle der gesellschaftlichen Organisationen und Vereinigungen ebenso wie die Ausschaltung von Widerständen seitens einzelner Gruppierungen oder Einzelpersonen.
Inwieweit Veränderungen und Einflussnahme von Staat und Partei auf das „Alltagsleben“ wirksam wurden, lässt sich wegen der nur spärlich zur Verfügung stehenden Schriftquellen schwer beschreiben. Greifbar sind vor allem äußere Aspekte (Ämterumbesetzungen, Vorhandensein von lokalen Parteiorganisationen und deren Aktivitäten). Verlässliche Angaben zum Grad der Beteiligung der Bevölkerung sind daraus kaum zu gewinnen, noch weniger Anhaltspunkte für die Beurteilung der Stimmung im Ort oder in der inneren Einstellung der einzelnen Bewohner. Auch gibt die Befragung von Zeitzeugen ein kaum verlässliches Bild, da dieses durch den Zeitzwischenraum und der vielfachen Filterung der Erinnerung verblasst ist. So können nur die vereinzelt vorliegenden schriftlich überlieferten Vorgänge kaum mehr als schlaglichtartige Elemente liefern.
In den ersten Jahren nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten vor Ort ging es sowohl um die Ausschaltung „konkurrierender“ Organisationen als auch um die sichtbare Präsenz der NSDAP und ihrer Nebenorganisationen sowie deren Einflussnahme auf den Ablauf des örtlichen Lebens. Einen besonderen Stellenwert hatte das Verhältnis Nationalsozialismus zur katholischen Kirche.
In Westerode war bei den überregionalen Wahlen bis 1926 außer dem katholischen Block, ein recht stabiles Potential für die SPD in der Größenordnung von 10-15 % der gültigen Stimmen zu verzeichnen; daneben hatte sich ein breit gefächertes Spektrum bürgerlich-protestantischer Parteien mit einem Potential um 10 % etabliert, getragen vor allem von DNVP, DVP und DHP. Für diese für die Landgemeinden untypische Ausbildung der lokalen politischen Landschaft mag die unmittelbare Nachbarschaft zu Duderstadt von nicht unwesentlicher Bedeutung gewesen sein. Zudem war der Anteil der Bevölkerung in land- und forstwirtschaftlichen Berufen 1933 mit 30,6 % relativ gering.
Diese Verhältnisse zeigen sich auch bei den Wahlen von 1928, danach fand eine grundsätzliche Umstrukturierung der politischen Landschaft statt. Schon bei der Abstimmung 1929 lag der Grad der Zustimmung zum „Freiheitsgesetz“ durch über 10 % der Wahlberechtigten über dem Gebietsdurchschnitt.
Bei der Reichstagswahl 1930 erreichte die NSDAP bereits 21,5 % der gültigen Stimmen, das höchste Ergebnis in den umliegenden Stadtgemeinden. Der Grund für dieses Ergebnis lag in den erfolgreichen Bemühungen begründet, dass es in Westerode frühzeitig Bestrebungen zur Gründung einer lokalen NSDAP-Gruppe gab. Die starke Zunahme der Zahl der gültigen Stimmen gegenüber der Reichtagswahl 1928 erschwert Vermutungen über die Herkunft der NSDAP-Stimmen. Auffällig ist, dass die Stimmenzahl der sonstigen bürgerlich-protestantischen Parteien fast unverändert blieb; die Linksparteien verloren 10 Stimmen, das Zentrum gewann leicht hinzu, aber nicht der Steigerung der Gesamtzahl der Stimmen entsprechend. Ein großer Teil der NSDAP-Stimmen dürfte danach von den neu hinzugekommenen Wählern stammen.
Der Stimmenanteil der NSDAP blieb bei den 5 Wahlen 1932 annähernd konstant, während der des Zentrums seit der Landtagswahl 1932 ständig abnahm. Die Linksparteien konnten - nach einem Einbruch bei der Landtagswahl 1932 - ihre Position etwa halten. Die sonstigen bürgerlich-protestantischen Parteien verloren an Stimmen. Darin liegt wohl ein Grund für die gegenüber 1930 höheren Stimmenzahlen der NSDAP, die zudem ihre Anhänger offenbar - eventuell - durch die örtliche Parteiorganisation - fester an sich gebunden hatte als z. . das Zentrum und dadurch bei geringerer Wahlbeteiligung geringere Stimmeneinbußen hatte. Bei den Wahlen 1933 stieg die Stimmenzahl der NSDAP noch einmal sprunghaft an; die Partei gewann mehr Stimmen hinzu, als die Steigerung der Zahl der gültigen Stimmen ausmachte. Da auch die sonstigen bürgerlich-protestantischen Parteien Stimmen hinzugewannen und im linken Lager per Saldo Umverteilungen zwischen SPD und KPD stattfanden, ist davon auszugehen, dass bisherige Zentrumswähler in großer Zahl zur NSDAP übergewechselt sind. Auffallend ist die Zunahme der Stimmen für die DNVP, die bei dieser Wahl unter der Bezeichnung „Kampffront Schwarz-Weiß-Rot“ antrat.
Die Provinziallandtagswahl 1929 brachte in Westerode erstmals in der Weimarer Republik keine absolute Stimmenmehrheit für das Zentrum. Stärker vertreten war das bürgerlich-protestantische Lager einschließlich der NSDAP, innerhalb dessen der Hauptanteil der Stimmen auf die DHP entfiel. Die SPD erreichte hier erstmals ein zweistelliges Prozentergebnis - begünstigt allerdings auch durch die sehr geringe Zahl der gültigen Stimmen. Die NSDAP konnte bei dieser Wahl noch keine nennenswerte Stimmenzahl erreichen. Bei der Provinziallandtagswahl 1933 reichte es für das Zentrum ebenfalls nicht zur absoluten Mehrheit. Die NSDAP erreichte mit über 40 % der gültigen Stimmen das zweithöchste im Stadtgebiet Duderstadts. Auffällig ist die Steigerung der Stimmenzahl gegenüber den überregionalen Wahlen der Vorwoche auch bei SPD und DNVP, während das Zentrum weiter Stimmen verlor - mit hoher Wahrscheinlichkeit vor allem an die NSDAP. Die Einheitsliste bei der Gemeindevertreterwahl 1929 trug die Bezeichnung „Gemeindeliste“.
In Westerode ging die gegenüber der gleichzeitig mit der Kreistagswahl stattfindende Provinziallandtagswahl 1929 deutlich höhere Zahl der gültigen Stimmen einher mit einer sehr hohen Stimmenzahl der CA (auf Listenplatz 14 kandidierte als Einheimischer Karl Beckmann), die offensichtlich von bei der Provinziallandtagswahl nicht oder ungültig abstimmenden Wählern, aber auch von einigen SPD-Wählern gekommen sind, nur in einem geringeren Umfang (per Saldo 15 Stimmen) von Zentrumswählern. Auffangbecken der bürgerlich-protestantischen Wähler war auch in Westerode das LaVo.
Die Kreistagswahl 1933 liefert insofern ein ungewöhnliches Bild, als die NSDAP fast ebenso viele Stimmen erreichte wie bei der gleichzeitigen Provinziallandtagswahl. Ein gerade in Orten mit hohem NSDAP-Anteil festzustellende Rückgang erfolgte hier nicht. Dies dürfte vorrangig damit zusammenhängen, dass die lokale Parteigliederung im Ort fest verankert und erfolgreich für die Partei tätig war - ein Umstand, der auch durch die Kandidatur eines Einheimischen unterstrichen wurde. Während das linke Lager seinen Stimmenanteil gegenüber der Provinziallandtagswahl etwas verbessern konnte, war das Zentrum der eigentliche Verlierer der Wahl, bei der es noch weniger Stimmen als bei der Provinziallandtagswahl und nur 5 Stimmen mehr als die NSDAP erhielt.

Westerode nach dem 2. Weltkrieg

Am Montag, dem 9. April 1945, endete mit dem Einzug amerikanischer Truppen der 2.Weltkrieg für die Gemeinde Westerode. Zerstörungen an den ca. 80 Wohngebäude in Westerode hatte es aufgrund des Krieges nicht gegeben. 16 Neubauten waren in der Zeit von 1919 - 1948 sogar hinzugekommen.
Zeitzeugen berichten:
Waffenstillstand mit bedingungsloser Kapitulation der deutschenWehrmacht um 0.00 Uhr in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945.
Erich Lichtenberg, Jahrgang 1921, lag mit seiner Infanterieeinheit bei Görlitz in Schlesien. Der Kompaniechef hatte am Abend des 8. Mai den Befehl zum Auflösen der Einheit gegeben. Alle wussten, dass die russische Armee schon weiter nördlich bis Berlin vorgestoßen war. Der Amerikaner stand schon an der Elbe. Also gab es nur eines: Waffen weg und Richtung Heimat. Erich Lichtenberg hatte mit seiner Einheit 3 Jahre in Russland gekämpft und wollte auf keinen Fall auf dem Rückzug noch in russische Kriegsgefangenschaft geraten.
Schwierig war das schon, denn die Siegermächte bestanden auf einer völligen Entwaffnung und Inhaftierung der deutschen Wehrmacht.
Zu dritt hatten sie sich statt zur Sammelstelle, gleich gegen Westen aufgemacht. Die Masse des Regimentes geriet in kürzester Zeit in russische Kriegsgefangenschaft, aus der sie meistens erst nach Jahren oder gar nicht zurückkehrten. Bei einem Bauern konnten sie ihre Wehrmachtsuniform gegen abgetragene Zivilkleidung umtauschen. Eine Hacke als Arbeitsgerät gab man ihnen auch, so dass sie bei ihren Querfeldeinmärschen, denn Straßen und Orte mussten sie meiden, als Landarbeiter angesehen wurden.
Es fuhr ja keine Eisenbahn mehr in dieser Gegend, es gab kein Telefon, geschweige denn irgendeine Mitfahrgelegenheit. 600 Kilometer lagen noch vor Erich Lichtenberg und seinen Kameraden. Übernachtet wurde möglichst abseits in einer Scheune oder im Wald. So ging es über das Erzgebirge in Richtung Naumburg. Innerhalb weniger Tage hatte der Russe sie überholt, denn es gab ja keinen Widerstand mehr. Schließlich wurden sie am 15. Mai bei Aue doch für zwei Tage gefangengenommen. In einem günstigen Augenblick, während es in einem angrenzenden russischen Materiallager brannte, konnten sie jedoch fliehen. So ging es weiter bis sie letzte Nacht vor Bleicherode verbrachten. Mittlerweile waren sie in der amerikanisch besetzten Zone auf dem letzten Tagesmarsch nach Hause. Immer vorsichtig, alle Orte meidend, kamen sie am 22. Mai abends um 21.30 Uhr über den Euzenberg in Westerode an.
Erich wollte von hinten durch die Scheune, wie er es von früher her
kannte, aber es war alles fest verbarrikadiert und doppelt gesichert. Später erfuhr er warum. So wurden durch sein Klopfen erst seine verängstigten Eltern auf die 3 Ankömmlinge aufmerksam. Es war schon Sperrstunde. Die Amerikaner, deren Ortskommandantur im Hause von Eduard Saenger eingerichtet war (die Familie Saenger war nach Heinrich Otto ausquartiert worden), hatten eine nächtliche Ausgangssperre von 21.00 - 05.00 Uhr verfügt. Aber was erwartete ihn ?
Durch einen Militärregierungserlass hatte sich jeder ehemalige Angehörige der Wehrmacht zwecks Internieren und Entlassung zu melden. Ohne Entlassungsschein gab es keinen Personalausweis, keine Lebensmittelkarten, keine Bezugsscheine für Kleidung, Schuhe etc., keine Berechtigung für Brennmaterial und auch keinen Anspruch auf eine Wohnung. In seinem Elternhaus waren außer der eigenen Familie noch zwei weitere Familien vom Wohnungsamt eingewiesen worden. Ständigen Kontrollen der Amerikaner und der von ihnen eingesetzten Polizei musste er ausweichen. Allein vier Polizisten wohnten in Westerode. Die Versorgung der Bevölkerung war in dieser Zeit sehr schlecht.
Die geringen Zuteilungsmengen auf Lebensmittelkarten waren oft nicht da, so dass Kompensation und Tausch an der Tagesordnung waren.
Für große Sorgen und Aufregungen sorgten fünfzehn junge Polen, die bis zum Kriegsende in der Westeröder Landwirtschaft zwangsverpflichtet waren. Bestimmungen der NSDAP verboten u.a. unter Androhung von schweren Strafen das gemeinsame Essen von Deutschen und Polen in einem Raum. Untergebracht waren sie im Hause Westeröder Straße 42. Von 22.00 - 05.00 Uhr wurden sie in diesem Hause „unter Verschluss“ gehalten. Ab dem 10. April, nach dem Einmarsch der Amerikaner, genossen sie natürlich ihre Freiheit. So war es also verständlich, dass Erich sein Elternhaus „verriegelt und verrammelt“ vorfand. Schon zweimal hatten diese Banden nachts ein Schwein vom Stall seiner Eltern geholt, was ja besonders schmerzhaft war, weil es der Versorgung der Familie dienen musste und entsprechend angerechnet worden war. Erst musste das Ablieferungssoll erfüllt sein, ehe ein Schwein zur Hausschlachtung freigegeben wurde. Wenn dieses fünf Kilogramm mehr wog, als den Eltern und seiner Schwester zustand, denn Erich war ja nicht gemeldet, musste auch diese kleine Menge an die Schlachterei Kellner abgeliefert werden.
Die Polen hatten einen eigenen Status. Sie galten als Verfolgte des NS-Regimes. Sie kannte durch ihre zum Teil zweijährige Tätigkeit auf den Bauernhöfen alle Räume und Ställe genau. Hühner, Gänse, Fahrräder, alles wurde über Nacht ins Haus geholt und auch da war es nicht immer sicher. Manche Polen schreckten auch vor Gewalttaten nicht zurück.
Die deutsche, unbewaffnete Hilfspolizei stand oft hilflos da, wenn es um Nachforschungen ging, die in einer größeren Polenunterkunft in Duderstadt auf dem Westerborn endeten, wo sich auch sonst kein Polizist hin wagte.
Die amerikanischen Truppen wurden dann im Juni durch die Engländer abgelöst. Im August 1945 wurden alle ehemaligen Wehrmachtsangehörigen letztmalig aufgefordert, sich zwecks Ausstellung von Personalausweisen im Gemeindebüro zu melden. Aufgrund dieser Meldung wurde Erich mit vielen anderen Eichsfeldern mit einem englischen LKW nach Hildesheim in ein Kriegsgefangenenlager zur Vorbereitung seiner Entlassung transportiert. Er merkte aber bald, dass vor der Entlassung noch eine unbestimmte Zeit Arbeitslager stehen sollte. So entschloss er sich ohne Entlassungsschein nach Hause zurückzukehren. Zu Fuß benötigte er hierfür zwei Tage, weil die Kontrollen nach Ablauf dieser Meldefrist in den Zügen sehr scharf waren. Nun ging zu Hause das „Überleben“ weiter.
Ehemalige Materiallager der deutschen Wehrmacht waren für die Amerikaner uninteressant, soweit es sich nicht um Waffen oder Munition handelte.
In der Ziegelei lagerten Uhren, Schreibmaschinen und ähnliches Material der Nachrichtentruppe. Die deutschen Wachmannschaften hatten beim Rückzug ihre Posten verlassen und so waren es vor allem Jugendliche und Kinder, die sich handwagenweise, von den Amerikanern unbehelligt, „eindeckten“. Ebenso waren Geräte und Ausrüstungsgegenstände in den Scheunen verschiedener Landwirte in Westerode in den letzten Monaten des Rückzuges hier eingelagert worden. Besonders die Uhren waren für die nächsten Jahre begehrte Tauschobjekte.
Wer ein Stück Land oder einen größeren Garten besaß, war natürlich im Vorteil. Lichtenbergs waren mit ihren zwei Hektar Ackerland und zwei Kühen „Teilselbstversorger“, d. h. Fleisch- und Wurstwaren standen nicht auf ihren Lebensmittelkarten. Zwei Liter Milch konnten sie täglich von ihrer Milchlieferung an die Molkerei einbehalten. Sie konnten ihre Milch nicht zu Sahne oder Butter verarbeiten, weil sie keine Zentrifuge benutzen konnten, die die Sahne von der Milch trennte. Zudem war die eigene Schleuder verplombt worden und später wurde dann das Herzstück der Schleuder eingezogen, um den oft vorkommenden Missbrauch zu unterbinden. Den über vierzig Ziegenhaltern war die Verarbeitung ihrer Milch erlaubt, denn bei zwei Ziegen waren sie auch „Teilselbstversorger“ in Milch und Butter. So wurde dann heimlich beim Nachbarn mancher Liter Kuhmilch durch die Zentrifuge gekurbelt für ein zusätzliches Stück Butter oder ein Viertel Sahne.
Im Versteck in der Scheune oder hinter einem Verschlag wurde schon mal ein Schwein gefüttert, das bei der Viehzählung nicht erfasst war. Große Aufregung herrschte, wenn dieses Schwein „schwarzgeschlachtet“ wurde. Hohe Strafen waren dafür zu erwarten. Es wurde nachts gewöhnlich unter primitivsten Umständen geschlachtet.
Man half sich gegenseitig, und trotzdem durfte niemand etwas davon erfahren. Wenn es nicht ganz zu vermeiden war, freute sich auch der Dorfpolizist über eine zusätzliche Fleischportion.
Mit der Zeit wurde man dreister. In der Nacht vor dem angemeldeten Schlachtetag wurde das „schwarze“ Schwein geschlachtet und mit dem regulären verarbeitet. Aufregung gab es schon mal, wenn das Schwein dann „fünf Beine“ hatte. Mit einer Seite Speck konnte sich Erich Lichtenberg das erste Paar Schuhe eintauschen. Das Fleisch musste zum größten Teil eingekocht werden, weil es noch keine Gefriertruhen gab. Dosen oder Gewürze gab es nur im Tausch gegen Speck o. ä..
Die Bedeutung des Tabaks, der in Westerode von ca. 100 Pflanzern angebaut wurde, stieg in dieser Zeit erheblich. Die Pflanzfläche musste angemeldet werden und wurde vom Zoll genau vermessen. Oft wurden die zuviel gepflanzten und soweit nicht angemeldeten Reihen direkt umgehackt. Trotz genauer Schätzungen konnten hier und da doch ein paar Kilo abgezweigt werden.
Tabak stand jetzt hoch im Kurs und auf dem Schwarzmarkt konnte man, abgesehen von dem Tauschwert, bis zu 250 Reichsmark je Kilogramm Tabak erhalten. Zum Vergleich sei angemerkt, dass der Stundenlohn eines Arbeiters oder Handwerkers weit unter einer Reichsmark lag. Bis nach Braunschweig oder Hannover fuhren die Frauen mit 1 oder 2 Kilogramm Tabak, um sich dafür Kleiderstoff, Schuhe oder Haushaltswaren auf dem schwarzen Markt einzutauschen. Oft kam es vor, dass ihnen bei einer Razzia der Tabak abgenommen wurde und sie ohne Tauschware wieder nach Hause kamen. 100 Pflanzen waren für den Kleinanbauer frei. So war es nicht verwunderlich, dass in jedem Garten und sogar in manchem Vorgarten Tabak angebaut wurde. Angemeldete Tabakpflanzer hatten ihre Gärten den Mietern „verpachtet“, um so diese 100 Pflanzen frei zu haben. Erfinderische Leute konnten den Tabak fermentieren und mit einer kleinen Tabakschneidemaschine, die es wiederum nur im Tausch gegen Tabak gab, Zigaretten- oder Pfeifentabak herstellen.
Die Reichsmark hatte gänzlich an Wert verloren. Deshalb war es auch nicht unbedingt notwendig, Geld zu verdienen. Zigaretten wurden zur Normalwährung, die es im Tausch gegen Tabak aus Nordhausen gab. Kartoffeln wurden gegen Kohlen oder im Harz gegen Holz eingetauscht.
Für ein Bett musste zur Materialbeschaffung Speck oder Tabak geliefert werden. Ohne „organisieren und hamstern“ konnte ein „Normalverbraucher“ nicht existieren.
Nach der Getreideernte sah man Frauen und Kinder auf den Feldern Ähren lesen. Das war jedoch erst erlaubt, nachdem der Bauer die Garben abgefahren und das Feld zum Teil noch mit der „Schmachtharke“ nachbehandelt hatte. Die Ähren wurden sorgfältig ausgeschlagen und das Korn in der Mühle gegen Mehl abzüglich des Lohnes für das Mahlen getauscht.
Ähnlich war es bei den Kartoffeln, wo nach der Ernte der Acker fast noch einmal nach weiteren Kartoffeln umgegraben wurde. Die Spitzen und Abfälle der Zuckerrüben wurden gesammelt, gereinigt und nach dem Kochen durch eine Presse zu Saft verarbeitet, der dann nach stundenlangem Kochen als Sirup für den Brotaufstrich sehr begehrt war. Für die Abfälle dieses Vorganges, d. h. die ausgepressten Rübenschnitzel, hatte man schnell eine weitere Verwendung. Diese Masse kam in Fässer oder größere Kannen und wurde zum Gären gebracht. Nach 10-14 Tagen war die Maische reif und wurde zu Schnaps gebrannt. Dazu wurde die von Feststoffen gereinigte Flüssigkeit in einem Kessel zum Kochen gebracht und der entstandene Dampf durch ein Rohrsystem in einem Wasserfass abgekühlt. Viele Versuche waren erforderlich bis das Gerät einwandfreien, hochprozentigen Alkohol lieferte.
In der Ziegelei in Rollshausen lagen Kupferbehälter aus Wehrmachts- und Rüstungsbeständen. Die Rollshäuser hatten keine Wehrmachtsuhren und so konnten ein paar Behälter eingetauscht werden. Damit entstanden fest montierte Geräte, die in einer Nacht bis zu fünf Liter Alkohol lieferten. Auch das war verboten und verräterisch durch den unverkennbaren, süßlichen Geruch. Möglichst wurde bei Dunkelheit und starkem Wind gebrannt, damit der Standort nicht ermittelt werden konnte. An mehreren Stellen im Ort waren diese Geräte vorhanden, und sie wurden auch verliehen. Anfangs handelte es sich um die Herstellung von unmittelbarem Rübenschnaps, der dann später mit allerlei Essenzen veredelt wurde. Bei den dann wieder stattfindenden Tanzvergnügen im Saal der Gastwirtschaft Kellner konnte der Schnaps gegen Entrichtung eines Korkgeldes von fünf Reichsmark getrunken werden. Eine Flasche „Kümmel“ oder „Eierlikör“ kostete immerhin 400 Reichsmark.
Diese Verhältnisse spielten sich bis 1948 regelrecht ein. Mit der Währungsreform und der damit verbundenen Entwertung der Reichsmark änderte sich diese Situation schlagartig. Die Läden waren in sehr kurzer Zeit gefüllt und es konnte von den ersten 40 DM, die jede Person im Juli 1948 erhielt, eine Flasche Schnaps für 3,20 DM gekauft werden. Die Lebensmittelversorgung verbesserte sich zusehend, jedoch wurde die Bewirtschaftung erst 1950 gänzlich aufgehoben.

Die selbständige Gemeinde Westerode bis 1971

Nach dem Ende des 2.. Weltkrieges wuchs nicht nur die Zahl der Einwohner durch die Aufnahme von Flüchtlingen sehr schnell in Westerode, sondern es setzte auch sehr bald der Bau von Wohnhäusern ein. In der Zeit von 1949 - 1968 wurden 32 neue Wohnhäuser gebaut, und damit nahm die Zahl der Häuser um fast ein Viertel zu. Westerode gehörte nie zu den ärmsten Gemeinden des Untereichsfeldes; denn die Steuerkraft des Ortes je Einwohner belief sich beispielsweise im Jahre 1961 auf 65,64 DM und lag damit über dem Kreisdurchschnitt des ehemaligen Kreises Duderstadt. Zu verdanken war diese Tatsache dem Umstand, dass Westerode neben einer relativ ertragreichen Landwirtschaft überdurchschnittlich viele Industrie- und Handwerksbetriebe sowie Handelsunternehmen aufweisen konnte.
Im Jahre 1953 wurden im Gemeindehaus vier zusätzliche Wohnungen gebaut, und im Frühjahr 1954 konnte in Notstandsarbeit mit Unterstützung des Arbeitsamtes Duderstadt schon die gesamte Ortslage mit Erdgas versorgt werden. Aufgrund der hohen Zahl von Schulkindern musste 1955 ein Schulerweiterungsbau durchgeführt werden.
Im gleichen Jahr konnte der Gemeinderat als einer der ersten des Landkreises Duderstadt beschließen, eine Vollkanalisation zur Erreichung einer besseren Wohnqualität im Ort zu bauen. Die Kosten für den Bau der Vollkanalisation beliefen sich auf etwa 500.000 DM, wovon die Gemeinde ca. 100.000 DM aus Eigenmitteln aufzubringen hatte. Mit der Ausführung der Maßnahme wurde am 15. Dezember 1958 durch die Firma Bernhardt und Steinhäuser aus Duderstadt begonnen.
Im Nachgang des Kanalbaues verkabelte die EAM Göttingen die gesamte Gemeinde und erneuerte die Ortsbeleuchtung. Es wurden 12 große Peitschenlampen und 9 neue Pilzlampen installiert.
Im Jahre 1958 konnte auch der Bau des Feuerwehrgerätehauses in der Rosenthaler Straße abgeschlossen und das Gebäude seiner Bestimmung übergeben werden. 1962 erfolgte der Ausbau aller Ortsstraßen, die mit einer Asphaltdecke versehen wurden. Ein Bebauungsplan für den Bereich „Amtmannswiese“ wurde aufgestellt und 1965 wurde der Bebauungsplan „Am Natheplan“ mit 5 Plätzen vom Gemeinderat beschlossen.
Ende der sechziger Jahre beschloss der Gemeinderat den Bau einer Friedhofskapelle mit einer Bürgschaft für die Kirchengemeinde in Höhe von 15.000 DM zu unterstützen. Die Einweihung dieser Kapelle fand im Oktober 1971 statt und wurde von dem dann zuständigen Ortsrat nochmals mit 1500 DM bezuschusst.
Mit der Beschlussfassung zum Grenzänderungsvertrag mit der Stadt Duderstadt durch den Gemeinderat Westerode am 18.Juni 1970 und der offiziellen Unterzeichnung am 30.09.1970 gab Westerode zum 01.02.1971 freiwillig als erste Gemeinde der die Stadt umgebenden Dörfer seine Selbständigkeit auf , um Ortsteil der Stadt Duderstadt zu werden.
In diesem Grenzänderungsvertrag wurden u.a. folgende, wesentliche Maßnahmen für den Ortsteil Westerode festgelegt:

  • Anschluss des Klärwerkes Westerode an die Kläranlage der Stadt
  • Grundstückserwerb für einen neuen Sportplatz
  • Fuß- und Radweg nach Duderstadt
  • Errichtung eines neuen Ehrenmals
  • Ausbau der Blumenau und des überörtlichen Verbindungsweges
  • Erneuerung von Bürgersteigen im Ort
  • Verbreiterung der Straße im Stocken
  • Ausbau des Geldweges

Aufgrund des Zusammenschlusses war auch aus postalischen Gründen die Änderung von Straßennamen in Westerode erforderlich geworden. Folgende Umbenennungen wurden beschlossen:

Alter Straßenname Neuer Straßenname

  • -Hinterm Dorfe Christus-König-Weg
  • -Schulstraße Niederdorf
  • -In der Gasse Kirchweg
  • -Im Stocken Rosenthaler Straße
  • -Hauptstraße Westeröder Straße

Zusätzlich wurde für den Feldweg an der Bahn ein Bebauungsplan aufgestellt und der Name „Rispenweg“ festgelegt.
Durch den Zusammenschluss von Duderstadt und Westerode verlor der langjährige Gemeindedirektor (1950 - 1971) und Bürgermeister (1964 - 1971)Heinrich Bock seine Aufgaben in der Gemeinde und wechselte als Angestellter zur Stadtverwaltung Duderstadt.
Als Teil der Stadt gehörte Westerode vom 01.02.1971 bis zum 31.12.1972 zur Samtgemeinde Duderstadt, der sich auch die Gemeinden Gerblingerode, Hilkerode, Immingerode, Tiftlingerode, Langenhagen, Brochthausen, Fuhrbach, Mingerode und Breitenberg anschlossen.
Vorsitzender des Ortsrates wurde aufgrund des Zusammenschlusses der Duderstädter Bürgermeister Willi Thiele. Gemäß des Grenzänderungsvertrages wurde noch im Jahre 1971 der Bau eines neuen Sportplatzes in der Blumenau beschlossen. Da einige alte Häuser in der Rosenthaler Straße von der Stadt erworben werden konnten, wurde deren Abriss zur Erweiterung dieser Zuführung zur Bundesstraße beschlossen.
1972 gab der Rat seine Zustimmung zur Aufstellung eines Bebauungsplanes im Puttfeld. Die Aufhebung der Grundschule Westerode wurde aufgrund rückläufiger Schülerzahlen erforderlich. Durch diese Aufhebung konnte eine Verlegung des katholischen Kindergartens aus dem städtischen Gebäude (MZH) in die ehemalige Schule durchgeführt werden. Für die notwendigen Umbauarbeiten beschloss der Ortsrat einen Zuschuss in Höhe von 3000 DM.

Westerode als Ortsteil der Einheitsgemeinde Duderstadt bis 1995

Seit dem 1. Januar 1973 bildet Westerode zusammen mit 14 Ortsteilen (einschließlich OT Duderstadt), für die 12 Ortsräte geschaffen wurden, die Einheitsgemeinde Duderstadt. Die örtlichen Interessen gegenüber der Stadt nimmt seit dieser Verwaltungs- und Gebietsreform der mit einem Etat von 10 DM pro Einwohner ausgestattete Ortsrat wahr, der in Westerode aus neun Mitgliedern besteht und von dem Ortsbürgermeister geleitet wird. Der Ortsbürgermeister wird aus der Mitte der Ortsratsmitglieder gewählt.
In der konstituierenden Ortsratssitzung am 8. Juni 1973 wurde der Tischlermeister Wilhelm Rudolph einstimmig zum Ratsvorsitzenden und damit zum ersten Ortsbürgermeister des Ortsteiles Westerode gewählt.

Die wesentlichen Ereignisse und Maßnahmen von 1973 - 1995:

  • Nach der Verlegung des Kindergarten konnte das ehemalige Gemeindehaus 1973 zu einer Mehrzweckhalle umgebaut werden. Zu den Gesamtkosten dieser Baumaßnahme in Höhe von 57.670 DM gaben der Landkreis Göttingen 13.000 DM und der Kreissportbund 2.000 DM als Zuschüsse. Es entstand eine auch für sportliche Zwecke nutzbare Halle mit den Ausmaßen von 16m x 10m. Die Mehrzweckhalle steht seit dieser Zeit dem überörtlichen Kindergarten als Turnhalle und den örtlichen Vereinen für sportliche und gesellschaftliche Aktivitäten zur Verfügung. Bis zur Erstellung eines Besprechungsraumes fanden auch die regelmäßig durchgeführten Altennachmittage in dieser Halle statt.
  • Für die Kanalisation im neuen Baugebiet „Puttfeld“ wurden in diesen Jahren insgesamt 57.000 DM benötigt.
  • Nach dem Bau einer Kanaltransportleitung in den Jahren 1973 und 1974 für insgesamt 165.700 DM wurde das Klärwerk in der Blumenau zu einem Pumpwerk umgebaut.
  • Am 4. August 1974 konnte der neue Sportplatz in der Blumenau seiner Bestimmung übergeben werden. Dieser Sportplatz mit den Maßen 70m x 105m wurde von der Göttinger Firma Klein erstellt. Die Kosten dieser Maßnahme beliefen sich auf 123.000 DM und wurden durch den Landkreis mit 26.000 DM, aus Mitteln der Totogesellschaft mit 40.000 DM, dem Kreissportbund mit 3.000 DM und durch den Zuschuss der Stadt Duderstadt in Höhe von 54.000 DM finanziert. Damit war der Grundstein zu einem schönen Sport- und Freizeitzentrum in der Blumenau gelegt.
  • Nach Abschluss eines Pachtvertrages mit dem Gastwirt Karl Kellner konnte der Ortsrat einen dringend benötigten Kinderspielplatz in der Blumenau herrichten lassen. Die Kosten für die Herstellung des Platzes und die Aufstellung von Spielgeräten beliefen sich auf 16.000 DM.
  • Als erste politische Jugendorganisation gründete sich ein Ortsverband der Jungen Union, den zunächst das Ratsmitglied Berni Vollmer leitete.
  • Im Juni 1975 verursachte ein Hochwasser Überschwemmungen in der Blumenau und in der Amtmannswiese. Der Ortsrat ließ daraufhin die Regen- und Schmutzwasseranschlüsse überprüfen.
  • Zum ersten Altenobmann für den Ortsteil Westerode wurde Josef Freund gewählt.
  • Die erforderliche Renovierung und erhebliche Umbaumaßnahmen im katholischen Kindergarten Westerode konnten abgeschlossen werden und erforderten Haushaltsmittel der Stadt Duderstadt in Höhe von 283.167 DM.
  • 1976 beschloss der Ortsrat einen Bebauungsplan für den Rispenweg mit neun Bauplätzen und die Erweiterung des Bebauungsplanes im Christus-König-Weg.
  • Im Rahmen einer Anhörung zum Bau einer Ortsumgehung (B 446) sprach sich der Ortsrat für eine nördliche Umgehung des Ortes aus. Dieser Beschluss wurde 1980 trotz einer gegenteiligen Beschlussfassung des Stadtrates noch einmal bekräftigt.
  • Erstmalig nahm Westerode an dem Kreiswettbewerb “Unser Dorf soll schöner werden“ teil und belegte in der Gruppe B - Gemeinden mit über 750 Einwohnern - den 19. Platz.
  • Nach den durchgeführten Kommunalwahlen wurde der Ortsbürgermeister Wilhelm Rudolph von den Ratsmitgliedern in seinem Amt bestätigt.
  • Zum ersten Ortsheimatpfleger wurde auf Beschluss des Ortsrates Wilhelm Jung ernannt und die Altenbetreuung hatte inzwischen Josef Meyer übernommen.
  • Aufgrund einer Skizze von Ortsbürgermeister Rudolph beschloss der Ortsrat den Bau des „Eulenbrunnens“ an der Kreuzung Rosenthaler Straße/Westeröder Straße. Die Fundamente für diesen Brunnen wurden von der Stadt hergestellt und die erforderlichen Holzarbeiten erbrachte der Ortsbürgermeister in Eigenleistung, so dass nur ca. 3.000 DM aus Ortsratsmitteln aufgebracht werden mussten. Den Sandsteintrog stiftete Berni Vollmer.
  • Im Zuge des Ausbaues der Rosenthaler Straße wurde 1977 der Abriss einiger alter Häuser erforderlich, und die Anlieger hatten 30% der Ausbaukosten zu tragen. Die Gesamtkosten dieser Maßnahme beliefen sich auf ca. 270.000 DM.
  • Am 5. August 1978 konnte ein neu gebautes Sporthaus seiner Bestimmung übergeben werden. Zu dieser Feier waren neben den Repräsentanten des Ortes auch Persönlichkeiten des Landkreises Göttingen, der Stadt Duderstadt und der Kirchen vertreten. Mit 116.000 DM trug die Stadt mehr als die Hälfte der Gesamtkosten dieser Baumaßnahme, die außerdem vom Landkreis, vom Land Niedersachsen und von der Bundesanstalt für Arbeit finanziert wurde.
  • Im gleichen Jahr wurde eine Verbindungsleitung vom Pumpwerk Westerode zur Kläranlage Duderstadt (148.529 DM) und die Kanalisation im Rispenweg (74.341 DM) fertig gestellt.
  • Im Juli 1979 wurde mit dem Neubau der Nathebrücke begonnen, durch den ein Engpass in der Ortsdurchfahrt beseitigt wurde. Die Kosten für die am 12. September 1980 fertig gestellte Brücke beliefen sich auf etwa 850.000 DM, die allein der Bund zu tragen hatte.
  • 1981 wurde der Mehrzweckhalle ein Besprechungsraum und später eine Küche angegliedert.
  • Am 03./04.Juni 1981 ereignete sich in Folge starker und anhaltender Regenfälle ein „Jahrhunderthochwasser“. Die Nathe trat über die Ufer und setzte Straßen, Höfe und Gärten unter Wasser.
  • Wilhelm Rudolph wurde für eine weitere Legislaturperiode zum Ortsbürgermeister gewählt, und mit den Aufgaben einer Altenobfrau wurde Franziska Rasch betraut.
  • Die Gesamtkosten für den Straßenbau im Baugebiet Christus-König-Weg/Im Puttfeld beliefen sich nach der Abrechnung auf 215.000 DM.
  • Der Ausbau der Gehwege in der Ortsdurchfahrt, der 1982 abgeschlossen wurde, kostete 505.000 DM. Eine Linksabiegerspur im Kreuzungsbereich der B 446/L 569 war ein fester Bestandteil der Planung dieser Ortsdurchfahrt, die trotz ständig steigender Verkehrszahlen bis 1996 nicht gebaut wurde.
  • Zur Komplettierung des Freizeitzentrums beschloss der Ortsrat 1982, eine Grillhütte zu bauen, die nach einem Kostenvoranschlag 38.000 DM kosten sollte. In Ermangelung ausreichender Haushaltsmittel war wieder die Herstellung in Eigenleistung gefragt. Nach den vorbereiteten Arbeiten des Ortsbürgermeister Wilhelm Rudolph stellte die freiwillige Feuerwehr die Fundamente her, richtete und verkleidete die entstehende Grillhütte und führte den Anstrich aus. Die Dachdeckerarbeiten erledigte Berthold Otto. Die Inneneinrichtung mit 50 Sitzplätzen erstellte Wilhelm Rudolph unentgeltlich. Die Stadt Duderstadt hatte das Rundholz für das Zimmerwerk aus dem ehemaligen Westeröder Waldstück, dem „runden Ei“ zur Verfügung gestellt. Landwirte haben das Holz dann zum Schneiden gefahren und wieder abgeholt. Das Eichenholz für die rustikalen Bänke an der Feuerstätte kam von der Realgemeinde Rosenthaler Erbschaft. So war nur ein Betrag von 7.400 DM für Materialkosten aus Ortsratsmitteln aufzubringen. Die Einweihungsfeier fand im Mai 1984 statt.
  • Nach 3jähriger Bauzeit konnte am 20.5.1984 ein neues Schützenhaus mit einer Schießanlage für Kleinkaliber und Luftgewehre im Sport- und Freizeitzentrum seiner Bestimmung übergeben werden. Zuschüsse zu den Baukosten zahlte die Stadt Duderstadt (40.000 DM), der Bund (40.000 DM Zonenrandfördermittel), der Landkreis (20.000 DM), der Ortsrat (10.000 DM) und der Kreissportbund (1.200 DM). Neben einem Eigenkapital in Höhe von 35.000 DM erbrachten die Mitglieder des Schützenvereins erhebliche Eigenleistungen.
  • Den Mitgliedern der Tennissparte des FC Westerode konnten am 8. September 1984 zwei Tennisplätze übergeben werden. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 56.000 DM, wozu die Stadt Duderstadt und der Landkreis Göttingen je 20.000 DM und der Kreissportbund 8.000 DM beisteuerten.
  • Mit einem Kostenaufwand von 120.000 DM wurde die Nathe 1984 reguliert und längs des Flusses ein „Hochwasserbett“ (Polder) geschaffen, das die Anwohner vor weiteren Hochwasserschäden wie 1975 und 1981 schützen soll.
  • Durch den Bau eines Fuß- und Radweges entlang der B 446 nach Duderstadt ging ein lang gehegter Wunsch der Westeröder Bevölkerung in Erfüllung.
  • Der Ausbau der Straße Rispenweg wurde 1985 fertig gestellt. Die Maßnahme für dieses Baugebiet kostete 160.000 DM.
  • Ein Bebauungsplan mit 9 Plätzen für das neue Baugebiet „Kleinbahnweg“ wurde 1986 beschlossen.
  • Im städtischen Gebäude, Westeröder Str. 10, konnte ein Jugendraum zur Verfügung gestellt werden. Erste ehrenamtliche Ortsjugendpfleger waren Annette Lichtenberg, Edgar Felkl und Andreas Esseln.
  • Am 16. August 1986 erfolgte die Einweihung des neuen Kinderspielplatzes im Sport- und Freizeitzentrum. Nach einer Skizze von Ortsbürgermeister Rudolph war ein Abenteuerspielplatz in Form eines Segelschiffes in Eigenleistung entstanden. In der Mitte dieses 20m mal 6m großen Spielplatzes befindet sich ein 4m hoher Mast mit einem Korb sowie ein 2,50m hohes Holzhaus. Durch den hohen Anteil an Eigenleistung entstanden lediglich Materialkosten in Höhe von 8.200 DM. Durch die Spende des Erlöses eines Straßenfestes in der Amtmannswiese/Blumenau sowie einer Spende der Sparkasse und des Gewinnes der Verkaufsstände bei einer historischen Bahnfahrt am 29.09.85 reduzierte sich der erforderliche Beitrag des Ortsrates auf 5.500 DM. Von dem Erlös dieser Einweihungsfeier in Höhe von 1.500 DM konnte dann 1989 sogar das Material zum Bau einer Holzbrücke über die Wipper für Fußgänger/Radfahrer erworben werden. Auch den Bau dieser Holzbrücke nach der Fertigstellung des Fußweges nahm Ortsbürgermeister Wilhelm Rudolph vor.
  • Bei den Kommunalwahlen im Herbst 1986 erhielt der CDU-Vorsitzende Engelbert Gatzemeier die meisten Stimmen und wurde von den Ratsmitgliedern zum neuen Ortsbürgermeister gewählt.
  • Mit dem Bau eines neuen Ehrenmals erfüllte die Stadt Duderstadt eine Forderung aus dem Grenzänderungsvertrag von 1970. Die Standortfrage wurde im Ortsrat mehrfach diskutiert und schließlich wurde aufgrund einer Umfrage der Jungen Union die Beibehaltung des alten Standortes beschlossen. Für die Herstellung des Platzes und den Bau des Ehrenmals wurden 43.000 DM aufgewandt.
  • 1989/1990 wurde der dringend erforderliche Anbau von Sanitär- und Umkleideräumen an der Mehrzweckhalle durchgeführt. Diese Maßnahme, die den Einbau einer neuen Heizungsanlage beinhaltete, kostete 345.000 DM. Ein 2. Bauabschnitt sah die Errichtung einer neuen Halle vor. Dieser Neubau konnte jedoch nicht durchgeführt werden, da eine Finanzierung durch die Versagung von Zuschüssen des Landes nicht erreicht werden konnte. So wurden 1991 Sanierungsmaßnahmen, u. a. die Freilegung der Bühne, der Innenanstrich und die Instandsetzung des Holzfußbodens, in Eigenleistung mit Hilfe der örtlichen Vereine und durch die Stadt Duderstadt durchgeführt.
  • Um eine Überquerung der immer stärker befahrenen B446 zu erleichtern und einen sichereren Schulweg für Kinder zu gewährleisten, forderte der Ortsrat seit 1983 eine 1990 installierte Bedarfsampel.
  • Am 27. Mai 1990 wurde der neugeschaffene Angelteich im Sport- und Freizeitzentrum feierlich seiner Bestimmung übergeben. Diese Teichanlage konnte nur durch den hohen finanziellen Beitrag und erhebliche Eigenleistungen der Mitglieder des Angelsportvereins verwirklicht werden. Der Bau des „Eulensees“, der als ein ortsnahes Erholungsgebiet genutzt wird, wurde lediglich aus Ortsratsmittel in Höhe von 11.000 DM bezuschusst.
  • Aus persönlichen Gründen legte Ortsbürgermeister Engelbert Gatzemeier sein Amt nieder. Daraufhin wählten die Ratsmitglieder den stellvertretenden Ortsbürgermeister Bernward Vollmer im September 1990 einstimmig zu seinem Nachfolger.
  • Über 200 Radfahrer nahmen an der Einweihung des Fuß- und Radweges von Westerode nach Nesselröden teil. Für die Verwirklichung dieses Projektes hatte sich besonders der Ortsbürgermeister Josef Nolte (Nesselröden) als Mitglied des Kreistages eingesetzt.
  • Am 24. Mai 1991 fand in der Westeröder Feldflur ein Boßelvergleichswettkampf (Friesische Sportart) der niedersächsischen Ämter für Wasser- und Abfallwirtschaft statt. Die Ausrichtung dieser Veranstaltung übernahmen die örtlichen Vereine.
  • In der konstituierende Sitzung nach den Kommunalwahlen im November 1991 wählte der Ortsrat den Dipl.-Verwaltungswirt Bernward Vollmer erneut zum Ortsbürgermeister. Gleichzeitig wurde dem ehemaligen Ortsbürgermeister Wilhelm Rudolph der Titel eines „Ehrenortsbürgermeister“ verliehen.
  • Im November 1992 fand die erste Fotoausstellung über Westerode, die die neue Ortsheimatpflegerin, Frau Antje Ehbrecht, vorbereitet hatte, in der Mehrzweckhalle statt.
  • 1992/93 erfolgte nach mehrjährigen Bemühungen endlich der Ausbau der Gemeindeverbindungsstraße entlang dem Sport- und Freizeitzentrum und gleichzeitig der Neubau der Wipperbrücke. Zu den Gesamtkosten von 265.000 DM, die überwiegend vom Land aufgebracht wurden, zahlte die Stadt ca. 40.000 DM. Mit dieser Zuwegung konnten allen Planungen zum Sport- und Freizeitzentrum verwirklicht werden.
  • Um die Dorfgemeinschaft zu stärken, gemeinsame Veranstaltungen durchzuführen und die Veranstaltungen der örtlichen Vereine zu koordinieren, schlossen sich die acht örtlichen Vereine und Verbände unter Mitwirkung des Ortsrates zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen. Aufgrund einer vom Ortsbürgermeister vorgeschlagenen Geschäftsordnung wurde ein Vorstand gewählt, den das langjährige Vorstandsmitglied des MGV und WCC, Berni Vollmer, als Vorsitzender anführt. Weitere Vorstandsmitglieder sind Berthold Otto, Johannes Böning und Martin Ehbrecht. Wesentliche Aufgabe der Arbeitsgemeinschaft war natürlich auch die Vorbereitung der 800 Jahrfeier.
  • Am 16. April 1993 besuchte die Bundestagspräsidentin Frau Professor Rita Süßmuth auf Einladung des CDU-Ortsverbandes Westerode. Im Rahmen einer Informationsveranstaltung zur geplanten Ortsumgehungsstraße (B 247) in der Gaststätte Kellner konnte unsere Wahlkreisabgeordnete mitteilen, dass dem Bau der B 247 im Bundesfernstraßenbedarfsplan erste Priorität eingeräumt wurde und damit ein Raumordnungsverfahren mit entsprechender Trassenfestlegung eingeleitet werden würde. Die Planungen einer Ortsumgehung für die B 446 waren mit der Vereinigung Deutschlands hinfällig geworden.
  • Die Zahl der Verkehrsteilnehmer in der Ortsdurchfahrt stieg auf mehr als 13.000 Fahrzeuge täglich. Die tatsächliche Trassenfestlegung erfolgte nach Abschluss des Raumordnungsverfahrens im Sommer 1995. Eine neun Punkte umfassende Beschlussfassung des Ortsrates, den der Stadtrat im Rahmen der Anhörung aufnahm, wurde bei der Planung der Trassenführung durch das Landesamt in fast allen Punkten berücksichtigt. Damit ist die Voraussetzung für eine bauliche Entwicklung von Westerode wieder gegeben.
  • Nachdem eine ca. 600 qm große Fläche am Graseweg zum Christus-König-Weg gepachtet werden konnte, wurde der eigentlich für das Baugebiet „Kleinbahnweg“ geplante Kinderspielplatz im August 1994 gebaut. Da der Spielplatz in Eigenleistung hergestellt wurde, entstanden lediglich Materialkosten für die Einzäunung, die Spielgeräte und die Bepflanzungen.
  • Neben der Bepflanzung des Kinderspielplatzes konnten umfangreiche Bepflanzungsmaßnahmen aufgrund der Landesausstellung „Natur im Städtebund“ im ganzen Ort verwirklicht werden. Es wurden 11 Linden, 3 Eichen, Ahorn, Ulmen und Rotdorn sowie eine 120m lange Hecke am Sportplatz gepflanzt.
  • Zur Verkehrsberuhigung wurden 1995 im Christus-König-Weg, im Rispenweg, auf der Mühlenstätte und in der Blumenau „30 km/h-Zonen“ eingerichtet.
  • Am 20. Mai 1995 konnte der Dorfmittelpunkt vor dem überörtlichen Kindergarten in Anwesenheit von Propst Damm durch Bürgermeister Lothar Koch seiner Bestimmung übergeben werden. In einem Zeitraum von 4 Jahren nach dem Abriss des alten und baufälligen Schulgebäudes wurden hier durch Pflasterarbeiten Parkplätze geschaffen, ein Buswartehäuschen erstellt und umfangreiche Bepflanzungen durch die Stadt Duderstadt vorgenommen. Die Erstellung einer Brunnenanlage hatte der Ortsrat mit Hilfe von freiwilligen Helfern wieder in Eigenleistung durchgeführt. Verantwortlich wurden die Arbeiten von dem Dipl.-Ing. Johannes Böning und die Pflasterarbeiten von dem Maurerpolier Bernfried Krukenberg geleitet.